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Pressemitteilung

FRAUEN IN AFGHANISTAN

KEINE BEFREIUNG IN SICHT

Internationale Gemeinschaft hat Freiheitsversprechen für afghanische Frauen nicht eingelöst / Vergewaltigungen, Zwangsheirat und Gewalt in der Familie sind weit verbreitet / Justiz unterstützt Frauen nicht dabei, Täter zur Verantwortung zu ziehen / Neuer Bericht von amnesty international zum Thema erschienen

Berlin, 6. Oktober 2003 - Fast zwei Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes werden Frauen in Afghanistan weiterhin verbreitet Opfer von Gewalt. Viele Frauen werden zur Heirat gezwungen, erleiden Vergewaltigungen durch bewaffnete Gruppen oder Misshandlungen im familiären Bereich. Ihre gesellschaftliche Rolle macht es afghanischen Frauen sehr schwer, diese Menschenrechtsverletzungen anzuzeigen. Wenn es ihnen dennoch gelingt, ihr Leid öffentlich zu machen, werden sie oft dafür diskriminiert. amnesty international (ai) verkennt keineswegs die Schwierigkeiten, mit denen die afghanische Übergangsregierung nach 23 Jahren Krieg zu tun hat. Dennoch müssen die afghanische Übergangsregierung und die internationale Gemeinschaft mehr tun, um den Schutz von Frauen als Querschnittsaufgabe fest im Aufbau der Polizei, eines Gerichtswesen und in der Gesetzgebung zu verankern, fordert ai.

„Viele führende Politiker, darunter US-Präsident Bush und Außenminister Powell, hatten versprochen, dass der Krieg in Afghanistan den Frauen die Befreiung bringe. Doch noch immer sind Gewalt, Diskriminierung und Unsicherheit im Leben der Frauen an der Tagesordnung“, kritisierte Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von amnesty international Deutschland. Ein heute veröffentlichter ai-Bericht beschreibt die Situation detailliert. Der Bericht zeigt auch die Unfähigkeit und Unwilligkeit der geltenden Strafgerichtsbarkeit, mit der Gewalt gegen Frauen angemessen umzugehen. „Die Strafgerichte verletzen die Rechte der Frauen mehr als dass sie sie schützen“, sagte Barbara Lochbihler. „Die Afghaninnen brauchen einen funktionierenden Rechtsstaat, der ihre Rechte wirklich garantiert.“

Angesichts der unsicheren Lage in weiten Teilen Afghanistans fordert ai die deutsche Bundesregierung auf, hier lebenden Afghanen einen sicheren Aufenthaltsstatus zu erteilen. Derzeit setzen die deutschen Behörden die Abschiebung afghanischer Staatsbürger lediglich aus.

Der Bericht "Afghanistan: No one listens to us and no one treats us as human beings. Justice denied to women" ist abrufbar unter http://web.amnesty.org/library/index/engasa110232003. Bitte beachten Sie auch die anderen drei Afghanistan-Berichte, die in den letzten Monaten erschienen sind (http://web.amnesty.org/library/eng-afg/reports).

Für Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an die Pressestelle, Dr. Dawid Bartelt und Meike Zoega, Tel.: 030 - 420248-306, E-mail: presse@amnesty.de.

amnesty international

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