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Länderbericht

Übersetzung der Koordinationsgruppe Türkei

Verbindlich ist das Original:  Turkey: Women confronting family violence

06/02/2004

Türkei: Frauen kämpfen gegen familiäre Gewalt  (Bericht, 39 Seiten; PDF)


Zusammenfassung

Wie in vielen Ländern der Welt werden in der Türkei jeden Tag die Menschenrechte von Hunderttausenden Frauen verletzt. Es wird geschätzt, dass ein Drittel bis die Hälfte aller Frauen in dem Land in ihren Familien körperliche Gewalt erleiden. Sie werden geschlagen, vergewaltigt, und in machen Fällen sogar umgebracht oder zum Selbstmord gezwungen. In diesem Bericht werden die Schicksale von Frauen geschildert, die Gewalt von Seiten ihrer Partner erfahren haben. Er beschreibt ein Muster von Misshandlung und Diskriminierung, dass schon bei der Geburt beginnen kann, wenn Familien ihre neugeborenen Töchter „austauschen“ und junge Mädchen zu frühen Ehen zwingen. Der Bericht enthüllt eine Kultur der Gewalt, die Frauen in doppelter Weise gefährdet – als Opfer von Gewalt, und weil ihnen ein wirksamer Zugang zum Rechtssystem verwehrt bleibt.

Der Bericht Türkei: Frauen kämpfen gegen familiäre Gewalt ist Teil einer Serie, die amnesty international im Rahmen der Kampagne Gewalt gegen Frauen verhindern veröffentlicht. Diese weltweite Kampagne prangert Menschenrechtsverletzungen an Frauen an, die überall auf der Welt an ihnen begangen werden.

Gewalt gegen Frauen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte von Frauen und Mädchen. Sie verletzt das Recht auf geistige und körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Freiheit und Sicherheit der Person, das Recht auf Freiheit der Meinungsäußerung und das Recht auf freie Wahl des Ehepartners. Gewalt kann zu einer Behandlung führen, die auf Folter oder grausame und unmenschliche oder erniedrigende Behandlung hinausläuft und in extremen Fällen das Recht auf Leben verletzt. Gewalt gegen Frauen verhindert den vollständigen Genuss der Rechte und Grundfreiheiten wie das Recht auf Gesundheit und Arbeit. Mädchen Bildung zu verwehren stellt auch eine Form wirtschaftlicher Diskriminierung dar. Sie haben weniger Chancen, ihre Möglichkeiten in allen Bereichen des Arbeitsmarktes zu entwickeln, auch in der Politik. Die Einschränkung des Rechts auf Bildung für Frauen bedeutet die Beschränkung ihres Zugangs zu Informationen über ihre Rechte, insbesondere ihr Recht über ein selbst bestimmtes Leben, Freiheit von Gewalt und Zugang zum Rechtssystem.

Einzelne Frauen und Gruppen, die in der Türkei für die Menschenrechte arbeiten, haben mutig die Kultur der Gewalt öffentlich dargestellt, in der viele Frauen leben und die für die Außenwelt häufig unsichtbar ist. Sie helfen Frauen, gewalttätigen Männern zu entkommen und ihre Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen. Sie bekämpfen die Vorurteile, dass die Proteste und Beschwerden von Frauen über Misshandlungen eine Schande für die Familien seien. Sie versuchen, tief gespaltene Gemeinschaften zusammen zu bringen.

Täglich sehen sie sich Drohungen und Angriffen von Familien der Frauen, die sie unterstützen, gegenüber. Die Frauen, denen sie beistehen, sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Frauen sollten bei diesen Herausforderungen unterstützt werden. Der Staat hat die Pflicht, Frauen vor Gewalt zu schützen, auch wenn sie nicht von Staatsbediensteten, sondern von Privatpersonen und -gruppen verübt wird. Nach internationalem Menschenrecht müssen Staaten die gebührende Sorgfalt zeigen, die Rechte der Frauen auf Gleichberechtigung, Leben, Freiheit und Sicherheit ebenso wie die Freiheit von Diskriminierung, Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung zu gewährleisten.

Sie müssen eine Politik und Pläne haben um diese Rechte zu erfüllen, Menschen vor Verletzung dieser Rechte zu schützen, und Entschädigung und Wiedergutmachung für diejenigen bereitstellen, deren Rechte verletzt wurden. Dazu gehört auch die Einrichtung von Frauenhäusern.

amnesty international kritisiert, dass die türkische Regierung der vorherrschenden Gewalt gegen Frauen nicht angemessen begegnet. Die Anwendung vorhandener Gesetze wird nicht durchgesetzt, und die Organisation befürchtet, dass Gerichte und andere Teile des Strafrechtssystems weiteren Reformen Widerstand entgegen setzen werden. Auf jeder Ebene des Strafrechtssystems lassen die Behörden unverzügliche und gründliche Maßnahmen bei Anzeigen von Frauen wegen Vergewaltigung, sexuellen Angriffen oder anderer Gewalt innerhalb der Familie vermissen. Die Polizei unterlässt es häufig, gegen die Täter von Gewalt gegen Frauen zu ermitteln. Frauen werden nicht ermutigt, Anzeige gegen ihre Angreifer zu erstatten, und erhalten fast keinen wirksamen Schutz vor rachsüchtigen Ehemännern und Verwandten. Die Verantwortlichen – dazu zählen auch die Vorsitzenden der Familienräte – werden selten vor Gericht gebracht. Statt das Recht durchzusetzen, wird von Gerichten in schockierender Weise den angegriffenen, vergewaltigten oder getöteten Frauen die Schuld zugewiesen und auf Grund der „Ehre“ den Angreifern geringere Verantwortung zugestanden.

Der Bericht von amnesty international Türkei: Frauen kämpfen gegen familiäre Gewalt enthält am Schluss Empfehlungen aus der Kampagne „Gewalt gegen Frauen beenden“, mit denen die internationale Gemeinschaft, die türkische Regierung und führende Personen in Politik und Religion aufgefordert werden, öffentlich und bei jeder Gelegenheit ihre Entschlossenheit zu bekunden, Gewalt gegen Frauen auszurotten. Die Empfehlungen an die türkische Regierung konzentrieren sich auf die dazu notwendigen Reformen. Dieser Text ist eine Zusammenfassung des 39-seitigen Dokuments Türkei: Frauen kämpfen gegen familiäre Gewalt, das amnesty international am 2. Juni 2004 herausgegeben hat.

amnesty international

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