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Kampagnen & Aktionen

abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution



„Die Welt zu Gast bei Freunden“ heißt das Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006. Viele von uns wünschen sich gute und faire Spiele, freuen sich auf internationale Begegnungen und neue Bekanntschaften. Wie von vergleichbaren Großveranstaltungen bekannt ist, wird auch die Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen rund um die WM ansteigen. Frauen- und Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass damit der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung (Zwangsprostitution) ebenfalls anwächst.



Menschenhandel und Zwangsprostitution aber sind schwere Menschenrechtsverletzungen. Die Betroffenen, insbesondere Frauen, sind physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Die Initiative „abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution“ nutzt die Fußballweltmeisterschaft als Tribüne, eine breite Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Sie wendet sich nicht gegen legale und selbst bestimmte Prostitution. Die bestehenden Rechte für Prostituierte müssen weiter ausgebaut werden. Sie müssen zu verbesserten Arbeitsbedingungen führen, die Selbstbestimmung der Prostituierten fördern und ihre gesellschaftliche Stigmatisierung vermeiden. Wir alle haben dafür Sorge zu tragen, dass die Menschenrechte von Prostituierten gewahrt werden und die Gesellschaft insgesamt und Freier im Besonderen ihnen mit Respekt begegnen. Ein respektvoller Umgang mit Prostituierten muss aber einhergehen mit der konsequenten Bekämpfung der Zwangsprostitution.

Menschenhandel und Zwangsprostitution sind weltweit ein lukratives Geschäft:

Rund 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder fallen ihm jährlich zum Opfer. Das schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer Studie über Zwangsarbeit. Die durch sie weltweit erzielten Gewinne werden auf 32 Mrd. US-Dollar beziffert. Der meiste Profit wird mit sexueller Ausbeutung gemacht. So erwirtschaftet eine Zwangsprostituierte laut ILO in einem Industrieland jährlich schätzungsweise durchschnittlich 67.200 US-Dollar.

Das „Bundeslagebild Menschenhandel“ 2004 des Bundeskriminalamtes (BKA) geht in Deutschland von einem Umsatz zwischen 35.000 und 100.000 Euro jährlich aus. Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ist ein blühender krimineller Markt, hier, in Europa, in der ganzen Welt.
Die Abwehr und Verfolgung dieser Verbrechen stehen dazu in keinem Verhältnis. Nur ein Bruchteil wird bekannt und geahndet



Das Netzwerk
amnesty international Deutschland (ai) – Bund deutscher Kriminalbeamter (BdK) – Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD) – Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V. (KOK) – Deutscher Frauenrat – Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) – Männer gegen Männergewalt – Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland – Medica Mondiale – Ökumenisches Forum Christlicher Frauen in Europa, Bereich
Deutschland e.V. (ÖFCFE).

Schirmherrschaft: Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, und Dr. Theo Zwanziger, Geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)


Wir fordern von der Bundesregierung und den Bundesländern:

I. Für die Herkunftsländer

■ Wirtschaftshilfen, die gezielt die eigenständige Existenzsicherung von Frauen fördern.
■ Nachhaltige Unterstützung der lokalen Menschenrechtsgruppen und der Zivilgesellschaft,
um die im Folgenden genannten Maßnahmen sicherzustellen.
■ Ausreichende Förderung von Beratungs- und Hilfsprojekten vor Ort und die Sicherstellung
einer stabilen Koordination untereinander.
■ Unterstützung der Einrichtung von Beratungsstellen und Schutzhäusern für von sexueller
Gewalt und Menschenhandel betroffene Frauen und Mädchen besonders in Kriegs- und
Krisengebieten.
■ Maßnahmen zur Sensibilisierung der dort tätigen nationalen und internationalen Polizei und
Ermittlungskräfte.
■ Seriöses und flächendeckend verteiltes Informationsmaterial über sichere und legale
Migrationsmöglichkeiten sowie die von MenschenhändlerInnen angewandten Methoden.

II. Für die von Menschenhandel und Zwangsprostitution Betroffenen in der Bundesrepublik


Darüber hinaus sollte für diejenigen, die als ZeugInnen in Prozessen aussagen, ein gesicherter Aufenthaltsstatus unabhängig vom Prozessausgang angestrebt werden.
Eingehende Einzelfallprüfung durch die verantwortlichen staatlichen Stellen vor der Entscheidung über alle Formen des gesicherten Aufenthaltsstatus. In die für die Entscheidung vorgelegte Empfehlung müssen alle verfügbaren Erkenntnisse zur Gefährdung der Betroffenen einbezogen werden.
Verbindliche Kooperationsvereinbarungen in allen Bundesländern zur Zusammenarbeit zwischen den Fachberatungsstellen und den Polizeibehörden.
Nachhaltige finanzielle Absicherung der entsprechenden Fachberatungsstellen und deren Zusammenschlüsse, z.B. des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Frauenhandel und Gewalt an Frauen im Migrationsprozess e.V. (KOK).

  • Vermeidung vorschneller Abschiebungen durch sensiblen Umgang mit potentiell Betroffenen, umfassende Aufklärung über ihre Rechte in Deutschland sowie Vermittlung der Unterstützung von Fachberatungsstellen
  • Sicherstellung des Lebensunterhalts und geeigneter Unterkünfte sowie des Zugangs zum Bildungs- und Arbeitsmarkt
  • Medizinische Versorgung und Bereitstellung umfassender therapeutischer Hilfen
  • Recht auf unentgeltlichen Rechtsbeistand.


III. Für die Arbeit von Behörden in der Bundesrepublik

Verpflichtende Berücksichtigung des Problems Menschenhandel / Zwangsprostitution in der
allgemeinen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Damit soll PolizistInnen und MitarbeiterInnen
von Ausländer- und Sozialbehörden sowie Jugendämtern ein sensiblerer Umgang mit den
Betroffenen ermöglicht werden.
Ausreichende Einrichtung von Schwerpunktdienststellen bei den Polizeibehörden, die
angemessen mit qualifiziertem Personal ausgestattet sind.
Verstärkung der nationalen und internationalen Kooperation in der Strafverfolgung
von Menschenhandel.
Einrichtung bzw. Ausbau spezialisierter Staatsanwaltschaften.
Stärkere Sensibilisierung von Richterinnen und Richtern sowie eine gezielte Werbung für entsprechende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Weitere Informationen unter www.abpfiff-zwangsprostitution.net


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letzte Aktualisierung: 8. März 2006

amnesty international

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