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INDIEN

Bhopal – eine Katastrophe, die auch nach 20 Jahren noch nicht vorbei ist


Da waren Tausende von Leichen. Es gab überall Leichen. Und ringsum starben die Menschen weiter.

Mohammad Owais, Freiwilliger im Hamidia-Krankenhaus in Bhopal, Dezember 1984

Mehr als 7000 Menschen starben innerhalb weniger Tage, nachdem giftige Gase in der Nacht zum 3. Dezember 1984 aus einer Chemiefabrik in Bhopal, Indien, entwichen. In den folgenden Jahren führte der Kontakt mit den Giftstoffen zum Tod von weiteren 15 000 Menschen. 100 000 sind seitdem chronisch krank.



Die größte Chemiekatastrophe aller Zeiten schockierte die Welt und warf grundlegende Fragen zu Regierungs- und Unternehmensverantwortung bei Industrie-Unfällen auf. 20 Jahre später warten Angehörige und Überlebende noch immer auf Gerechtigkeit

Nach dem schweren Chemieunfall hat die Union Carbide Corporation (UCC), damals Besitzerin der Pestizidfabrik in Bhopal, die Fabrik verlassen, ohne das Gelände zu dekontaminieren. Zudem ließ sie große Mengen von giftigen Abfällen zurück.

Lager mit giftigen Substanzen verseuchen weiterhin Wasser und Boden, von dem ganze Gemeinden abhängen. In Gemüse, das in der Nähe der Fabrik wächst, wie auch in der Muttermilch von Frauen aus Bhopal wurden Giftstoffe gefunden. Das Grundwasser ist verseucht, aber mangels Alternativen trinkt der Großteil der lokalen Bevölkerung es weiterhin.

Sauberes Wasser bekommen wir nur mehrere Kilometer entfernt... Meine Gesundheit ist so schlecht, dass ich es nicht schaffe, dorthin zu gehen.

Hasina Bi von Atal Ayub Nagar, einer Wohngegend in Bhopal in der Nähe der Fabrik, trinkt seit Jahren das mit der Handpumpe bei ihrem Haus gewonnene Wasser.


Bis heute wird Überlebenden und Angehörigen von Opfern angemessene Entschädigung und medizinische Hilfe verweigert. Die meisten Opfer stammen aus den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Durch die Folgen des Unglücks sind sie in einen Teufelskreis geraten: viele Menschen können aufgrund ihrer Krankheit oder Verletzungen nicht mehr arbeiten, müssen aber hohe Behandlungskosten tragen und geraten deswegen immer mehr in wirtschaftliche Not.

Die Union Carbide Corporation und Dow Chemicals, die 2001 mit UCC fusionierte, haben öffentlich jede Verantwortung für das Leck und den daraus resultierenden Schaden abgestritten. Bis heute hat der Konzern die genaue Zusammensetzung der austretenden Chemikalien nicht veröffentlicht. Niemand wurde bisher zur Verantwortung gezogen. In einem Vergleich, der im Jahr 1998 zwischen UCC und der indischen Regierung getroffen wurde, verpflichtete sich UCC, 470 Millionen US-Dollar an die indische Regierung zu zahlen.




Protestmarsch von Bhopal nach
Neu-Delhi



Diese Summe deckte den Schaden, den die Opfer der Katastrophe erlitten hatten, nicht ab. Vor Abschluss des Vergleichs wurden auch die Vertreter der Opfer nicht gehört. Im März 2006 wird der indische oberste Gerichtshof deswegen eine Anhörung durchführen, um zu entscheiden, ob er das Verfahren wieder aufnimmt.
Erst im Januar 2005 ist Dow Chemicals erstmals seit der Katastrophe vor ein indisches Strafgericht geladen worden, damit diejenigen zur Verantwortung gezogen werden können, die für den Unfall 1984 verantworltich waren.

Noch heute tun auch die indischen Behörden zu wenig, um den Teufelskreis von Krankheit und Armut zu durchbrechen. Damit verletzen sie unter anderem das Recht ihrer Bürger auf Leben, Gesundheit und auf Zugang zu sauberem Wasser. Die Union Carbide Corporation und Dow Chemicals, die 2001 mit UCC fusionierte, haben öffentlich jede Verantwortung für das Leck und den daraus resultierenden Schaden abgestritten. Niemand wurde bisher zur Verantwortung gezogen.

So wurde am 17. Mai 2005 eine Demonstration von ca. 300 Menschen in Bhopal mit exzessiver Polizeigewalt niedergeschlagen. Die Demonstranten protestierten gegen das Versagen der lokalen Regierung, sie mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Im Juni hat der für die Opfer des Unglücks zuständige Minister, Uma Shanka Gupta, das Fabrikgelände in Bhopal besucht und sich mit weiteren Dekontaminations- und Aufräummaßnahmen einverstanden erklärt. Die Aufräumarbeiten wurden aber bereits Ende Juni wieder unterbrochen, als bekannt wurde, dass Wanderarbeiter ohne angemessene Schutzkleidung das Gelände reinigten. Bis heute sind die Aufräumarbeiten nicht wieder aufgenommen worden, sodass das Grundwasser immer noch verseucht ist.

Regierungen müssen die Menschenrechte von Bevölkerungsgruppen schützen, die durch Aktivitäten von Unternehmen gefährdet wurden oder sind. Da der Einfluss und die Reichweite von Unternehmen jedoch weltweit gewachsen sind, müssen auch Unternehmen in das System internationaler Menschenrechtsstandards mit eingebunden werden.

Weitere Informationen

Deutsche Pressemitteilung

Deutsche Zusammenfassung des Berichts “Clouds of Injustice: Bhopal 20 years on”

Vollständiger Bericht “Clouds of Injustice: Bhopal 20 years on”

UN Human Rights Norms for Businesses

Economic Globalization and Human Rights

letzte Aktualisierung: 24. März 2006

amnesty international

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