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HINSEHEN & HANDELN: Gewalt gegen Frauen verhindern

Kosovo: Frauenhandel und Zwangsprostitution


„Ich war gerade auf dem Weg zur Schule als ich merkte, dass mich eine junge Frau beobachtete. Sie kam zu mir, bot mir einen Börek an und bezahlte ihn. Nach einigen Tagen freundeten wir uns an.



Eines Tages schlug sie mir vor, mich im Auto mitzunehmen. Das Auto fuhr in eine mir unbekannte Gegend. Der Fahrer war ein Mann. Als ich wissen wollte, wohin wir führen, sagten sie mir, dass wir eine alte Stadt besuchen würden, in der ich noch nie gewesen sei. Dort wurde ich drei Wochen lang in einem Motel festgehalten. Ich wurde von vielen Männern vergewaltigt. Ich schrie, aber niemand hörte mich, da sie mir den Mund zuhielten.“
(13-jähriges albanisches Mädchen aus dem Kosovo)





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Die Präsenz internationaler Truppen und Organisationen im Kosovo hat zu einer Blüte des menschenverachtenden Frauenhandels und der illegalen Sexindustrie in der Region geführt. Seitdem ist der Kosovo eines der Hauptzielländer in Europa für Frauen, die gehandelt und zur Prostitution gezwungen werden: Die Zahl der Bars, in denen vermutlich gehandelte Frauen arbeiten, stieg von 18 im Jahr 1999 auf über 200 Ende 2003 – mit einer wahrscheinlich sehr viel höheren Dunkelziffer. Mitarbeiter internationaler Organisationen waren in Menschenhandel verstrickt, darunter auch Personal der UNMIK-Polizei (UNMIK - Interimsregierung der Vereinten Nationen).

Aus den Reihen der internationalen Kräfte kommen etwa 20 Prozent der Freier, die allein im Jahr 2002 für 80 Prozent des Umsatzes sorgten. Daher fehlt den Frauen und Mädchen vielfach das Vertrauen, sich in die Obhut dieser Kräfte zu begeben. Auch wenn Frauen den Menschenhändlern und Zuhältern entkommen, werden sie oft wie Kriminelle behandelt. Sie werden der – im Kosovo illegalen – Prostitution oder des illegalen Aufenthalts angeklagt und verurteilt.

Frauen und Mädchen werden aus Moldawien, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine in den Kosovo gehandelt. Sie werden bedroht, geschlagen, vergewaltigt. Viele Frauen kommen aus ärmsten Verhältnissen und haben in ihren Heimatländern bereits familiäre Gewalt erfahren. Ihnen wird ein besseres Leben im Westen versprochen. Manche Frauen, unter ihnen auch Minderjährige, werden mehrmals weiter verkauft, die Preise liegen zwischen 50 und 3.500 Euro. Auch eine steigende Zahl von Kosovarinnen werden zur Prostitution gezwungen.

Die Verantwortung von UNMIK und KFOR

Die internationale Gemeinschaft hat zunächst nichts gegen den Frauenhandel unternommen. Erst im November 2000 wurde eine UNMIK-Spezialeinheit zu Frauenhandel und Prostitution gegründet; im Januar 2001 erließ die UNMIK eine Richtlinie, die sowohl den Handel als auch den wissentlichen Sex mit gehandelten Frauen als strafbare Handlung festschreibt. Bis heute ist jedoch niemand aufgrund dieser Richtlinie verurteilt worden. Ein Grund für den anhaltenden Handel ist auch die Straflosigkeit für Mitarbeiter internationaler Organisationen: Für alle Angehörige von KFOR und UNMIK gilt eine generelle Immunität, d.h., im Kosovo können sie nicht strafrechtlich belangt werden – erst bei einer ausdrücklichen Aufhebung der Immunität können sie in die Heimatländer zurückgeschickt und dort angeklagt werden. Nach Erkenntnissen von ai wurde jedoch bislang niemand in seinem Heimatland zur Verantwortung gezogen.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Kosovo - In schlechter Gesellschaft" (ai-Journal Juni 2004)


Jedes Jahr erleiden weltweit Millionen von Frauen und Mädchen Gewalt. Die Täter, ob aus dem staatlichen, gesellschaftlichen oder familiären Umfeld, gehen allzu oft straffrei aus. Beteiligen Sie sich an der Kampagne von amnesty international HINSEHEN & HANDELN: Gewalt gegen Frauen verhindern.

Wenden Sie sich an den UN-Sondervertreter im Kosovo und fordern Sie ihn auf, entschieden gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution vorzugehen und die Verant-wortlichen zu bestrafen.

AKTION IST ABGELAUFEN - BITTE KEINE APPELLE MEHR SCHREIBEN



MUSTERBRIEF

Herrn

Soren Jessen-Petersen
Sondervertreter des UN-Generalsekretärs
UNMIK Headquarters
Pristina
Kosovo


Sehr geehrter Herr Jessen-Petersen,

die internationale Gemeinschaft im Kosovo ist für das Entstehen einer Sexindustrie verantwortlich, die auf dem Missbrauch von gehandelten Frauen und Mädchen basiert. Trotz einiger positiver Maßnahmen durch die UNMIK sind Frauenhandel und Zwangsprostitution im Kosovo heute noch immer weit verbreitet. Deshalb fordere ich:

· UNMIK und KFOR müssen weitere Maßnahmen ergreifen, um Zwangsprostitution und Frauenhandel im Kosovo zu stoppen. Die Behörden müssen sicherstellen, dass die Frauen nicht weiter kriminalisiert, sondern sofort geschützt und entschädigt werden.

· UNMIK und KFOR müssen sicherstellen, dass alle Angehörigen der internationalen Truppen zur Rechenschaft gezogen werden, die Straftaten im Zusammenhang mit Frauenhandel begangen haben.

· UNMIK und PISG (Provisorischen Selbstverwaltung im Kosovo) müssen in den demnächst zu verabschiedenden Richtlinien gegen Menschenhandel sicherstellen, dass alle Frauen und Mädchen ohne Antragsstellung sofort Hilfe bekommen und dass verbindliche Regelungen für Frauen, die im Kosovo selbst gehandelt werden, sowie für alle minderjährigen Frauen verabschiedet werden.


Mit freundlichen Grüßen


letzte Aktualisierung: 2. November 2005

[Interview mit Sevdie Ahmeti über den Schutz von Frauen und Kindern im Kosovo- aiJOURNAL 08/2004]

amnesty international

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