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Kampagnen & Aktionen

21. Oktober 2003



SCHICKSALE



Kambodscha

Yem Para aus Phnom Penh

„Eines Tages stritten wir. Ich war mit ein paar anderen Leuten zusammen und wir pflanzten Gemüse, als er plötzlich durch mein Bein hindurchschoss – durch mein linkes Bein, hier über dem Knie.

Dann schoss er mir in die Brust, und die dritte Patrone streifte mein Haar, so knapp verfehlte sie mich. Er benutzte eine AK-47 und stand nur etwa 20 Meter entfernt, dann kam er näher.

Anfangs waren alle zu verängstigt, einzugreifen, aber nachdem er seine Runde beendet hatte, kamen die Nachbarn und hinderten ihn daran, weiter mit dem Gewehrkolben auf mich einzuprügeln. Noch heute bereiten mir die Wunden Schmerzen. Erst vor fünf Monaten wurde die Metallnadel aus meinem Bein entfernt. Und jetzt kann ich nur noch die Hälfte dessen tun, was ich früher getan habe. Früher konnte ich 50 kg Reis tragen, heute nur noch etwa 10 kg.“





Georg Uecker
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Yem Para wurde von einem Bekannten mehrfach angeschossen




Seit Ende der 70er Jahre wurden von China und den USA aus heimlich Waffen an Kambodschas anti-vietnamesische Splittergruppen geliefert. Man schätzt, dass derzeit ungefähr 500.000 Kleinwaffen in Umlauf sind. Die Hälfte davon befindet sich in den Händen offizieller Militärs und Polizeitruppen, die andere Hälfte in den Händen von Milizangehörigen, entlassenen Soldaten und anderen Einzelpersonen.

Uganda

Jale aus dem Norden Ugandas

„Um Mitternacht, als alle schliefen, kamen ungefähr 50 bewaffnete Karamajong. Sie kreisten das Dorf ein und begannen ihren Angriff damit, dass sie die Hütten niederbrannten. 58 Menschen starben in dieser Nacht. Die Kämpfer waren gekommen, um Rache für den Tod zweier ihrer Männer zu nehmen. Unter den Getöteten war nur ein Mann, mehr als 35 der Opfer waren Frauen, der Rest Kinder. Viele verbrannten in ihren Häusern. Ein paar, die wegzulaufen versuchten, wurden erschossen.


Ich schaffte es, dem Feuer und den Gewehrsalven zu entkommen und versteckte mich in einer Höhle in den Bergen. Ich hatte einen Schuss in die Hand abbekommen. Meine gesamte Familie ist bei diesem Angriff umgekommen, meine Frauen und alle meine Kinder. Das älteste war 15 Jahre alt, die anderen waren 13, 8, 5 und 3 Jahre alt. Das jüngste war erst 6 Monate alt.

Das Leben ist heute so schwer. Ich schaffe es nicht, an diesen schrecklichen Ort zurückzukehren, nicht einmal bei Tageslicht, denn es ist zu traumatisierend für mich. Vor dem Überfall hatte ich alles – jetzt habe ich nichts mehr.

Früher gab es keine Probleme zwischen uns und den Karamajong. Sie kamen während der trockenen Jahreszeit mit ihren Tieren und gingen wieder, als der Regen kam.





Jale: "Meine gesamte Familie ist bei diesem Angriff umgekommen, meine Frauen und alle meine Kinder."


Sie tauschten ihr Vieh gegen unsere Lebensmittel. Als sie Waffen in die Hände bekamen, begannen sie Menschen zu töten und das änderte alles. Wenn sie weiterhin mit ihren Gewehren kommen, kann das Leben wohl nur schwer hierher zurückkehren. Aber wenn sie ohne Gewehre kommen könnten, wäre ein neues Leben möglich.

Sierra Leone

ISSAC LAPPIA

Generalsekretär von amnesty international Sierra Leone

„Ein Konflikt in meinem Land war unausweichlich: in jeder Gemeinde gab es Gewehre, man konnte sie ganz leicht bekommen. Diese Gefahr war von verschiedenen Regierungen und Militärregimes einfach ignoriert worden. Bis es zu spät war. Die Macht der Gewehre wechselte in andere Hände, als Männer mit Waffen, von denen die meisten nie gelernt hatten, sie richtig oder verantwortungsbewusst zu verwenden, gewaltsam die Führung auf nationaler und lokaler Ebene übernahmen.

Während des Bürgerkriegs lebte meine Familie in ständiger Angst. Überall waren Waffen – automatische und halb-automatische Gewehre, Maschinengewehre, Pistolen genauso wie Handgranaten, Granaten mit Raketenantrieb und andere lebenszerstörende Kriegsgeräte. Oft mussten wir tagelang im Haus bleiben und hatten kein Essen mehr. Unter diesen unsicheren Bedingungen schlossen die Schulen, Geschäfte stürzten in den Ruin und Investoren verließen das Land. In solchen Zeiten kommt die Entwicklung eines Landes bald zum Stillstand.

Allein in Freetown forderte der brutale Konflikt das Leben von mehr als 5.000 Zivilisten. Wenn sie ins Kreuzfeuer gerieten, blieben sie tagelang dort liegen, wo sie gestorben waren. Es war zu gefährlich für ihre Familien, auf die Straßen zu gehen und ihre Leichen zu holen. Andere Menschen verloren ihr Leben, nachdem sie unter vorgehaltener Waffe dazu gezwungen worden waren, Häuser zu betreten, die dann mit Petroleum begossen und angezündet wurden.

Sogar wenn es etwas ruhiger war und wir uns nach draußen wagen konnten, war die Situation extrem angsteinflößend. Egal wo wir hingingen – Bars, Läden, zivile Treffen, die Wohnzimmer irgendwelcher Leute – sahen wir überall Leute, die Waffen bei sich trugen. Sogar Kinder. Und dauernd wurden wir mit prüfenden Blicken abgeschätzt – bei jeder Bewegung, die wir machten, bei jedem Wort, das wir äußerten. Auch wenn wir nichts zu den Gräueltaten sagten, die überall um uns geschahen, waren wir nicht sicher. Jemand hätte uns einfach nur deshalb erschießen können, weil wir ein bestimmtes T-Shirt trugen oder ihm unsere Uhr gefiel.





Issac: "Waffen sind die Feinde des Friedens und ihre Verwendung muss strikt kontrolliert werden!"




Die Entwaffnung seit Kriegsende hat Sierra Leone zu einem friedlicheren, sichereren Ort gemacht. Die Leute geben ihre Waffen bei der UNO-Mission für Sierra Leone ab. Wenn auch zu spät, haben wir dennoch eine wichtige Lektion gelernt:

Waffen sind die Feinde des Friedens, und ihre Verwendung muss strikt kontrolliert werden. Der Internationale Pakt zur Kontrolle des Waffenhandels wird Ländern wie Sierra Leone helfen, internationale Standards anzuwenden, die es vor dem illegalen Waffentransfer durch Schurkenstaaten oder skrupellose Händler schützen. Dieser Pakt kann viel Leid der Zivilbevölkerung verhindern und armen Ländern helfen, sich positiv zu entwickeln.

Es ist vollkommen sinnlos, wenn reiche Länder einem Entwicklungsland nur bei der Entwicklung helfen, und gleichzeitig die Sicherheitslage im Land vernachlässigen, indem sie keine strikte Waffenkontrollen einführen.

Waffen dürfen nur dann verwendet werden, wenn unbedingt nötig, um Menschen zu schützen. Ich bitte die Kampagnenplaner, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit die Kampagne WAFFEN UNTER KONTROLLE! erfolgreich wird.“


amnesty international

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