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23. Februar 2004



HINTERGRUNDINFORMATIONEN



Während Sie diese Seite lesen, produzieren 1.135 Unternehmen in mehr als 98 Ländern sogenannte Kleinwaffen, Munition und Ersatzteile.
Und es werden immer mehr. In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Kleinwaffen produzierenden Länder verdoppelt.

Kleinwaffen töten derzeit mehr Zivilisten als jeder andere Waffentyp. Aber auch andere konventionelle Waffen fordern heute noch viele Opfer. Trotzdem gibt es keine international bindenden Regelungen, die verhindern, dass Waffen in die Hände von Killern und Menschenrechtsverletzern fallen.

Die Exportkontrollen sind allgemein zu schwach und mit Schlupflöchern durchsetzt. Häufig fehlt der politische Wille, Rüstungtransfers zu verhindern, die zu Menschenrechtsverletzungen oder Kriegsverbrechen führen können. Und selbst wenn ein Land sich weigert, Waffen an einen bestimmten Käufer zu liefern, lässt sich kaum verhindern, dass ein anderer Lieferant den Deal übernimmt.





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Vor allem sogenannte Kleinwaffen sind weltweit leicht erhältlich, wenn nicht über legale Wege, dann über die grauen und schwarzen Kanäle der Waffenmakler. [siehe den Artikel "Schlupflöcher"]
Viele Waffen aus Überschussbeständen der einstigen Gegner im Kalten Krieg "vagabundieren" von Konfliktschauplatz zu Konfliktschauplatz – und die meisten dieser Waffen wurden ursprünglich einmal ganz legal exportiert.

Es gibt heute weltweit rund 639 Millionen Kleinwaffen. Und jedes Jahr werden 8 Millionen weitere produziert. Ohne strikte Kontrolle werden solche Waffen weiterhin gewalttätige Auseinandersetzungen, staatliche Unterdrückung, Verbrechen und Missbrauch im Privatbereich fördern.

Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China – profitieren am meisten von diesem mörderischen Handel.

Zusammen sind sie für 80 Prozent der bekannten konventionellen Rüstungstransfers verantwortlich.
Zwischen 1998 und 2001 verdienten die USA, Großbritannien und Frankreich mehr durch Waffenverkäufe an die Entwicklungsländer, als sie diesen an Entwicklungshilfe zahlten.
Lesen Sie unseren Bericht über Deutschland, Kleinwaffen und Afrika




Act Now
"Ein Gewehr ist so leicht zu bekommen wie ein Päckchen Zigaretten." Evan Jean Lolless, 34. Er wurde in den USA wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.




"Rund um die Welt gehen rasche Veränderungen vor sich, speziell seit dem 11. September 2001, und viele Länder bewerten das militärische Gleichgewicht der Mächte in ihrer Umgebung neu. Viele halten es für notwendig, ihre Systeme aufzurüsten." Generalmajor Avraham Rotem, israelischer Verteidigungsexperte, 2003.

Eigentlich sollte man glauben, dass es ein neues Interesse an verstärkten Waffenkontrollen geben sollte, solange der "Kampf gegen den Terrorismus" die internationale Tagesordnung beherrscht. Doch das ist ein Irrtum.

Seit dem 11. September 2001 haben einige Länder die Kontrollen abgeschwächt, um ihre neu gefundenen Verbündeten gegen den Terrorismus zu bewaffnen. So hat zum Beispiel die US-Regierung ihre Militärhilfe für Dutzende bewaffnete Gruppierungen verstärkt. Darunter sind auch einige, bei denen sogar das US-Außenministerium bestätigt, dass sie Menschenrechte nur wenig respektieren.


Die Exporte britischer Rüstungsgüter aus Großbritannien nach Indonesien stiegen im Jahr 2002 von 2 Millionen auf mehr als 40 Millionen Pfund - obwohl sich die indonesischen Streitkräfte massiver systematischer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben.

Ob bei den Hirten im nördlichen Uganda oder den Gangs in Rio de Janeiro: Das Tragen von immer tödlicheren Waffen und ihr Gebrauch wird zur Norm.






"Die Kinder kommen aus der Schule und sprechen über Gewehre. Die Mentalität ist sehr viel unmoralischer geworden. Sie reden nicht mehr davon, sich gegenseitig zu verhauen. Sie reden davon, sich gegenseitig umzubringen."

Ehemaliger Jugendarbeiter im Norden Londons, 2002



Ob in englischen Stadtzentren, bei den Gangs in Rio de Janeiro oder in ländlichen Gemeinden Kenias – Waffen haben Hochkonjunktur. Weltweit gibt es Anzeichen für einen langfristigen gesellschaftlichen Mentalitätswandel, der zunehmend zur Akzeptanz von Waffen im Alltag vieler Gemeinden und Städte und einer Kultur der Waffe als Statussymbol oder "Produktionsmittel" führt. In Ländern, in denen das Tragen von Waffen schon immer zur Tradition gehört, haben neue tödlichere Waffen Pfeil und Bogen ersetzt. Es gibt mehr Waffen denn je, und sie sind billiger denn je – und sie treten immer häufiger als Todesursache auf.




"Wir können nicht beides haben. Wir können nicht gleichzeitig die größte Weltmacht des Friedens und der führende Waffenexporteur der Welt sein."

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter in der Präsidentschaftskampagne 1976




Wenn die Waffenindustrie immer preiswertere Gewehre zur Verfügung stellt, die leicht und einfach genug sind, um von zehnjährigen Kindern auseinandergenommen, wieder zusammengesetzt und verwendet zu werden, darf man sich nicht wundern, dass weltweit geschätzte 300.000 Kinder in Konflikten als Soldaten missbraucht werden.

Käufer und Verkäufer

Die Waffenindustrie ist anders als jede andere Industrie. Sie macht ihre Gewinne mit Maschinen, die dafür bestimmt sind, Menschen zu töten oder zu verstümmeln.



Käufer und Verkäufer


Weitere Informationen

Kampagnenbericht "Tracking Lethal Tools Marking & Tracing Arms and Ammunition: a central piece of the arms control puzzle" (Januar 2005)

Canada: excessive and lethal force? AI’s concerns about deaths and ill treatment involving police use of Tasers (November 2004)

USA: excessive and lethal force? AI’s concerns about deaths and ill treatment involving police use of Tasers (November 2004)

Kampagnenbericht "Guns or Growth? Assessing the impact of arms sales on sustainable development" (Juni 2004)

"Undermining global security. The European Union’s Arms Exports" (Februar 2004)

Kampagnenbericht "Guns and Policing" auf Englisch (Februar 2004)

Kampagnenbericht „Shattered Lives“ auf Englisch (November 2003)

Pressemitteilung zum Kampagnenstart











amnesty international

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