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Kampagnen & Aktionen

„ICH MUSSTE TÖTEN...“ - KINDERSOLDATEN IN DER DEMOKRATISCHEN REPUBLIK KONGO

Ich nahm zwei Monate an einem Training mit Schießübungen in Süd-Kivu teil. Es war hart. Einige meiner Freunde starben an Malaria oder Hunger bei langen Märschen und Höhlendurchquerungen. Nach dem Training kam es noch schlimmer. Wir kämpften gegen viele Milizen. Am schwierigsten war es, Menschen töten zu müssen. Ich habe immer noch Albträume von den Menschen, die durch mich starben. Aber ich musste sie töten, wenn ich nicht umgebracht werden wollte wie meine Freunde..." (Marcel war 11 Jahre alt, als er von der RCD-Goma in Fizi, Süd-Kivu, rekrutiert wurde).


Die DR Kongo ist gegenwärtig eines der Länder mit der weltweit höchsten Anzahl von Kindersoldaten. Auch im Krieg im Osten Kongos, in den Regionen Ituri sowie Nord- und Süd-Kivu, kämpfen viele minderjährige Soldaten. Sie tragen in hohem Maße zur Stärke der bewaffneten Gruppen und Milizen bei.

Es gibt im Osten der DR Kongo bereits einige Fälle, in denen Kinder aus dem Kriegsdienst entlassen wurden. Aber oft sind dies nicht mehr als öffentlichkeitswirksame Aktionen, um internationale Beobachter zu besänftigen. Solchen Einzelfällen steht die fortdauerne Neu-Rekrutierung von Kindern gegenüber. Viele geflohene Kindersoldaten halten sich deshalb versteckt.


Der andauernde Konflikt und die Uneinsichtigkeit der politischen und militärischen Führer verhinderen einen landesweiten, koordinierten Versuch, Kindersoldaten zu entwaffnen und wieder in ihre Heimatgemeinden zu integrieren. Spezielle UN-Berater zum Schutz von Kindern erhalten oft keinen Zugang zu militärischen Einrichtungen, lokale Menschenrechtsaktivisten werden teilweise von den Behörden bedroht, wenn sie Fälle von Kindersoldaten verfolgen wollen.

In dem noch immer geteilten Land ist die Rückkehr von Kindern in ihre Familien und Gemeinden vielfach unmöglich. Auch die Aufnahme in Schulen oder Arbeitsverhältnisse wird durch die verheerenden Auswirkungen des fünfjährigen Krieges auf die Wirtschaft und Einrichtungen des Gesundheits- und Erziehungswesens enorm erschwert.


Deshalb leben viele entwaffnete Kinder in Durchgangslagern. Doch manche werden von bewaffneten Gruppen geführt, so dass dort weiter militärisches Training stattfindet.


Andere Lager werden von internationalen und lokalen NGOs unterhalten, die zwar mehr Sicherheit bieten, aber oft sehr schlecht ausgestattet sind.

Der Krieg – eine menschenrechtliche und humanitäre Katastrophe

Schätzungen zufolge haben seit 1998 mehr als 3,3 Millionen Menschen aufgrund des Krieges in der DR Kongo ihr Leben verloren, viele von ihnen durch Krankheiten und Unterernährung. Mehr als 2,25 Millionen Menschen sind vertrieben worden, viele von ihnen befinden sich weit entfernt von humanitären Einrichtungen und der Hilfe internationaler Organisationen. Tod und schweres Leiden sind zum Bestandteil des täglichen Lebens der Bevölkerung geworden.

Der größte Einzelfaktor für den Krieg und die immer wieder aufflammenden Kämpfe ist der Wettstreit verschiedener bewaffneter Gruppen um die Kontrolle über die immensen Bodenschätze des Landes. Dazu zählen Gold, Diamanten, Tropenhölzer und Koltan.

Auch die vielfach wechselnden Allianzen zwischen den verschiedenen Gruppen und ihren Unterstützern deuten auf das Fehlen von klaren politischen Programmen und Zielen hin. Trotz des formalen Waffenembargos, das im Juli 2003 durch die Resolution 1493 des UN-Sicherheitsrats verhängt wurde, werden weiterhin große Mengen Waffen unkontrolliert ins Land gebracht.

Der Einsatz einer internationalen UN-Eingreiftruppe im Mai 2003 konnte die Lage in der Stadt Bunia beruhigen, nicht verbessern konnte sie jedoch die Situation in den anderen Teilen der Provinzen Ituri und Kivu. ai befürchtet, dass die ständige UN Militärmission (MONUC) nicht in der Lage sein wird, die Eskalation der Gewalt zu verhindern.

UN-Kinderrechtskonvention

Jede Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren gilt gemäß der UN-Kinderrechtskonvention als Kriegsverbrechen. Das Zusatzprotokoll zu Kindern in bewaffneten Konflikten

  • verbietet Regierungen und bewaffneten Gruppen den Einsatz von Kindern unter 18 Jahren in einem Konflikt;
  • untersagt jede Zwangsrekrutierung von Kindern unter 18 Jahren;
  • untersagt die Rekrutierung von Freiwilligen unter 18 Jahren durch bewaffnete Gruppen.

Das Protokoll trat im Februar 2002 in Kraft. Die Regierung der DR Kongo hat dieses Zusatzprotokoll 2002 ratifiziert.

amnesty international fordert:

  • den sofortigen Stopp der freiwilligen oder zwangsweisen Rekrutierung und des Einsatzes von Kindern unter 18 Jahren durch Regierungen oder bewaffnete Gruppen;
  • die unverzügliche Demobilisierung von Kindersoldaten unter 18 Jahren. Als erste Schritte sollten die Kindersoldaten sofort entwaffnet, von den Aufgaben an der Front zurückgezogen und vor Misshandlung, Folter oder anderen Menschenrechtsverletzungen geschützt werden;
  • die Bereitstellung angemessener Unterstützung für demobilisierte Kinder für die psychische und körperliche Wiederherstellung und ihre soziale Reintegration. Alternativen zur militärischen Rekrutierung wie Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten müssen zur Verfügung gestellt werden;
  • eine umfassende Kooperation der betroffenen Regierungen mit allen internationalen oder nationalen Untersuchungen zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Rekrutierung und Einsatz von Kindersoldaten. Alle Personen, die dieser Verbrechen verdächtigt werden, müssen an die zuständigen Behörden übergeben werden, damit sie in Übereinstimmung mit internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren und unter Ausschluss der Todesstrafe verurteilt werden können.


Werden Sie aktiv!

Deutschland hat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zwar im Jahr 2000 unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Bis Februar 2004 möchte ai mit Ihrer Hilfe 140 Unterzeichnungen und 80 Ratifizierungen erreichen.

Beteiligen Sie sich an der internationalen Online-Petition von ai!

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Meine Spende für die Menschenrechte



letzte Aktualisierung: 09.09.2003
amnesty international

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