Herr Naser Qasemi, 23 Jahre
Herr Mohammad Reza haddadi, 18 Jahre ]
Herr Reza Hejazi, 19 Jahre ] Minderjährige Straftäter
Herr Iman Hashemi, 18 Jahre ]

Naser Qasemi, Mohammad Reza Haddadi und Reza Hejazi sollen wegen Mordes hingerichtet werden. Die Bestätigung des Todesurteils gegen Iman Hashemi soll unmittelbar bevorstehen. Sie befinden sich alle im Gefängnis und warten auf ihre Hinrichtung wegen Mordes. Alle waren unter 18 Jahre alt, als sie die Verbrechen begangen haben sollen. Sie können jederzeit gehängt werden. Zu diesem Zeitpunkt hat noch die oberste Justizautorität die Möglichkeit, die Hinrichtungen auszusetzen.

Als Naser Qasemi aus der Provinz Kermanshah im Westen des Iran 15 Jahre alt war, versuchten sein Onkel, der bewaffnet war, und er in einem nahegelegenen Bauernhof etwas Mais zu stehlen. Sie wurden von Arbeitern des Hofes entdeckt und bei dem Kampf, der dann entbrannte, wurde einer der Arbeiter angeschossen und starb. Der Onkel konnte anfangs flüchten, doch Naser wurde festgenommen und des Mordes angeklagt. Er sitzt seit acht Jahren im Gefängnis und hat in dieser Zeit Verfahren und Wiederaufnahmeverfahren durchlaufen, bei denen er dreimal zum Tode verurteilt wurde. Die Familie des Opfers hat 1.500 Millionen Rials „Diyeh“ (Blutgeld) verlangt (das entspricht etwa 105.350 Euro), aber Naser Qasemis Familie ist bisher nicht in der Lage gewesen, diese Summe aufzubringen. Die iranische Menschenrechtsgruppe Gesellschaft für das Recht auf Leben („Anjoman-e Haq-e Hayat“) tritt für ihn ein. Es ist nicht bekannt, wo er inhaftiert ist.

Mohammad Reza Haddadi, 18 Jahre, befindet sich im Adelabad-Gefängnis in der Stadt Shiraz. Er wurde im Januar 2004 von einem Gericht in Kazeroun für den 2003 begangenen Mord an einem Mann zum Tode verurteilt. Er hatte den Mord gestanden, zog sein Geständnis aber während des Verfahren zurück und gab an, dass er die Verantwortung für den Mord übernommen habe, weil die beiden Mitangeklagten seiner Familie Geld geboten hätten, wenn er das täte. Mohammad Reza Haddadi sagte während des Verfahrens aus, dass er nicht an dem Mord des Mannes beteiligt gewesen war, der ihm und zwei weiteren eine Mitfahrgelegenheit in seinem Auto angeboten hatte. Die anderen beiden bestätigten Mohammad Reza Haddadis Unschuldsbehauptung, und zogen ihre Zeugenaussagen zurück, laut denen er an dem Mord beteiligt gewesen war. Seine Mitangeklagten, die zum Zeitpunkt des Mordes beide über 18 Jahre alt waren, sollen niedrigere Strafen erhalten haben. Im Juli 2005 hielt eine Abteilung des Obersten Gerichts das Todesurteil gegen Mohammad Reza Haddadi jedoch aufrecht. Der Fall muss nun noch abschließend von der obersten Justizautorität, Ayatollah Shahroudi, bestätigt werden.

Die minderjährigen Straftäter Reza Hejazi und Iman Hashemi befinden sich im Zentralgefängnis der Stadt Esfahan im Zentrum des Iran.

Reza Hejazi, der damals 15 Jahre alt war, gehörte zu einer kleinen Gruppe, die am 18. September 2004 eine Auseinandersetzung mit einem Mann hatte, bei der der Mann erstochen wurde. Reza Hejazi wurde festgenommen und unter Mordanklage gestellt, am 14. November 2005 wurde er gemäß „Qesas“ (Vergeltung) von der Abteilung 106 des ordentlichen Gerichts in Esfahan verurteilt. Das Urteil wurde von der Abteilung 28 des Obersten Gerichtshofs am 6. Juni 2006 bestätigt, obwohl man ihm nach iranischem Recht unter Jugendrecht den Prozess hätte machen müssen. Der Fall wurde zur Schlichtung zwischen Reza Hejazi und der Familie des Opfers weitergegeben, um ihnen die Möglichkeit zu geben, die Zahlung von „Diyeh“ zu vereinbaren, doch bisher haben sie sich auf keine Summe einigen können. Wenn es zu keiner Einigung kommen sollte, wird man Reza Hejazi hinrichten.

Iman Hashemi war im Juni 2006 17 Jahre alt, als sein Bruder Majid festgenommen wurde, weil er bei einem Kampf einen Mann erstochen hatte. Nachdem sein Bruder verhaftet worden war, soll Iman Hashemi sich den ermittelnden Behörden gestellt und gestanden haben, das er den Mann ermordet habe, doch später machte er vor Gericht deutlich, dass er zu dem Geständnis gezwungen worden war. Obwohl seine Familie darauf bestand, dass er unschuldig sei, wurde er am 13. Januar 2007 von einem Gericht in Esfahan wegen Mordes zu „Qesas“ verurteilt. Am 26. Mai 2007 bestätigte die Abteilung 42 des Obersten Gerichtshofs dieses Urteil. In seiner Verzweiflung setzte sich sein Bruder Majid am 29. September 2007 selbst in Brand. Vier Monate darauf erlag er seinen Verletzungen. Die oberste Justizautorität hat das Urteil noch nicht bestätigt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Der Iran ist eines von sechs Ländern weltweit, in denen minderjährige Straftäterinnen und -täter hingerichtet werden können. Dies läuft Irans Verpflichtungen nach dem Völkerrecht zuwider, darunter dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der UN-Kinderrechtskonvention, nach denen die Hinrichtung von Straftätern, die zum Zeitpunkt der Tat minderjährig waren, verboten ist. In den vergangenen vier Jahren hat der Iran mehr minderjährige Straftäterinnen und -täter hingerichtet als alle anderen Länder zusammen. Mindestens 79 minderjährige Straftäterinnen und -täter sitzen zurzeit im Iran in Todeszellen. Ihre Zahl könnte noch weit höher liegen, da nicht alle Urteile öffentlich gemacht werden. Für nähere Informationen über die Hinrichtungen von minderjährigen Straftätern im Iran siehe auch Iran: The last executioner of children (MDE 13/059/2007, Juni 2007), http://web.amnesty.org/library/index/engmde130592007. amnesty international ist in allen Fällen gegen die Todesstrafe und unterstützt den weltweiten Trend gegen die Todesstrafe, der in der Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 18. Dezember 2007, die einen weltweiten Hinrichtungsstopp fordert, in aller Deutlichkeit zum Ausdruck kommt.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • einen sofortigen Hinrichtungsstopp von Naser Qasemi, Mohammad Reza Haddadi, Reza Hejazi und Iman Hashemi fordern, die alle für Verbrechen verurteilt wurden, die sie begangen haben sollen, bevor sie das 18. Lebensjahr vollendet hatten;
  • die Behörden auffordern, gemäß der Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom Dezember 2007 einen Hinrichtungsstopp zu erklären und die Todesurteile von Naser Qasemi, Mohammad Reza Haddadi, Reza Hejazi und Iman Hashemi umzuwandeln;
  • die iranischen Behörden daran erinnern, dass der Iran ein Vertragsstaat des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte und der UN-Konvention über die Rechte des Kindes ist, die den Einsatz der Todesstrafe gegen Personen untersagen, die zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahre alt waren.

APPELLE AN:

Religionsführer der Islamischen Rebublik
His Excellency Ayatollah Sayed ‘Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - Shahid Keshvar Doust Street
Tehran, IRAN (korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info@leader.ir

Oberste Justizautoriät
Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh / Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN (korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info@dadgostary-tehran.ir (Betreff: FAO Ayatollah Shahroudi)

KOPIEN AN:

Präsident
His Excellency Mahmoud Ahmadinejad
The Presidency, Palestine Avenue, Azerbaijan Intersection, Tehran, IRAN
E-Mail: dr-ahmadinejad@president.ir (oder über die Internetseite:) www.president.ir/email/

Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herrn Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Telefax: 030-8435 3535 - E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch, Französisch, Arabisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. April 2008 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Persian, English, French, Arabic or your own language:
- calling for an immediate halt to the executions of Naser Qasimi, Mohammad Reza Haddadi, Reza Hejazi and Iman Hashemi, all convicted of crimes allegedly committed when they were under the age of 18;
- calling on the authorities to declare a moratorium on the implementation of the death penalty as called for by the UN General Assembly in December 2007, and to commute the death sentences passed on Naser Qasimi, Mohammad Reza Haddadi, Reza Hejazi and Iman Hashemi;
- reminding the authorities that Iran is a state party to the International Covenant on Civil and Political Rights and the Convention on the Rights of the Child, which prohibit the use of the death penalty against people convicted of crimes committed when they were under 18.