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amnesty journal Oktober 2007
»Mut zu brisanten Themen«
Ein Interview mit Roland Emmerich, dem Produzenten von »Trade«.
| Trade« erzählt die Geschichte der 13-jährigen Mexikanerin Adriana (Paulina Gaitan) und der jungen Polin Veronica (Alicja Bachleda), die von einem Menschenhändlerring entführt und als Sexsklavinnen von Mexiko in die USA geschmuggelt werden. Adrianas 17-jähriger Bruder Jorge (Cesar Ramos) und der texanische Versicherungspolizist Ray (Kevin Kline) riskieren alles, um den Menschenhändlern auf die Spur zu kommen. Jährlich geraten rund zwei Millionen Mädchen zwischen fünf und 18 Jahren in die Hände von Menschenhändlern. Roland Emmerich ist Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er wurde vor allem durch seine Hollywood-Produktionen weltbekannt. |  | 
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Wie kamen Sie auf das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution?
Eine gute Freundin von mir wollte, dass ich einen politischen Film mache. Sie arrangierte ein Treffen mit dem Journalisten Peter Landesman, der für das »New York Times Magazine« das Netzwerk des Kindersexhandels in Mexico City aufgedeckt hatte. Mir war sofort klar: Darüber möchte ich einen Film machen. Noch bevor sein Artikel veröffentlicht wurde, hatte ich die Rechte für die Geschichte gekauft.
Wie ging es dann weiter?
Ich sprach den in Puerto Rico geborenen Autor Jose Rivera an, der das Drehbuch zum Film »Motorcycle Diaries« (»Die Reise des jungen Che«) geschrieben hatte. Rivera sagte sofort zu. Ich hatte riesiges Glück, dass er gerade Zeit hatte. Er ging auf Recherchereise nach Mexiko und schrieb nach seiner Rückkehr das Drehbuch zum Film.
Warum haben Sie sich Marco Kreuzpaintner als Regisseur ausgesucht?
Ich war beeindruckt von seinem Film »Sommersturm«, in dem es um das Erwachsenwerden und das Coming-Out eines jungen Mannes geht, der sich in seinen besten Freund verliebt. Ich lud Kreuzpaintner zu mir nach Los Angeles ein und zeigte ihm Riveras Drehbuch. Er war begeistert.
Haben sich im Lauf der Entstehung von »Trade« Thema und Geschichte verändert?
Je mehr man sich mit Menschenhandel und Zwangsprostitution und mit den realen Gegebenheiten vor Ort auseinander setzt, desto größer wird das Entsetzen.
Welche Reaktion erwarten Sie von den Zuschauern von »Trade«?
Ich hoffe, dass sie nach dem Film schockiert und betroffen sind.
Glauben Sie, dass der Film darüber hinaus etwas bewirken kann?
Wenn über »Trade« geschrieben und der Film zum Gesprächsstoff wird, bewirkt er schon etwas. Wir wollten bewusst keinen Dokumentarfilm über Menschenhandel und Zwangsprostitution drehen. »Trade« handelt von der persönlichen Geschichte der 13-jährigen Adriana, die das Publikum berührt und zum Nachdenken anregt.
Haben Sie den Anspruch, die Welt zu verändern?
Noch vor meinem Film »The Day After Tomorrow«, in dem es um die Folgen der Erderwärmung geht, habe ich mich gegen einen solchen Anspruch gewehrt. Aber jeder Mensch hat eine Aufgabe im Leben. Meine ist es, Geschichten zu erzählen. Und die Geschichte meines Films hat die Menschen zum Nachdenken angeregt. Auf einmal war ich ein gefragter Gesprächspartner – auch in Politikerkreisen. Früher hätte ich es mir nicht zugetraut, öffentlich meine Meinung kundzutun. Das ist vorbei. Ich habe mittlerweile den Mut, auch brisante politische Themen anzupacken. Dabei versuche ich, den Menschen eine Botschaft mit auf den Weg zu geben.
Engagieren Sie sich über den Film hinaus für die Menschenrechte?
Ich bin Mitglied in mehreren Organisationen, vor allem im Bereich Umwelt. Aber ich kann mir gut vorstellen, mich zukünftig auch für Menschenrechtsorganisationen einzusetzen. Besonders amnesty international muss man unterstützen.
Haben Sie schon Ideen für zukünftige Filmprojekte?
Ich möchte noch einen großen Katastrophenfilm machen – am liebsten eine Trilogie.
Interview: Eva Wiesgrill
Trade – Willkommen in Amerika. Regie: Marco Kreuzpaintner, Produzenten: Roland Emmerich & Rosilyn Heller, Drehbuch: Jose Rivera, Story: Peter Landesman & Jose Rivera. Kinostart: 18. Oktober. Weitere Informationen unter: http://www.trade-derfilm.de
Menschen sind keine Ware
Unter dem Motto »Menschen sind keine Ware – Wir können etwas tun!« wird der Film von ai mit begleitendem Material und Informationsveranstaltungen unterstützt. ai engagiert sich seit Langem gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. Zur Fußballweltmeisterschaft beteiligte sich ai an der Kampagne »Abpfiff – Schluss mit Zwangsprostitution«. Rund 180.000 Unterschriften wurden der Bundesregierung u.a. mit der Forderung überreicht, die Gesetzeslage zum Aufenthaltsstatus der betroffenen Frauen zu verbessern. Auch sollten vorhandene Hilfsorganisationen unterstützt und die Behörden im Umgang mit den Betroffenen sensibilisiert werden. In diesem Jahr klärt ai über die Zwangsprostitution in Griechenland auf. Dort schützt die Regierung die Opfer nicht ausreichend vor den Frauenhändlern. Eine zentrale Forderung von ai ist daher, dass die strafrechtliche Verfolgung von Frauenhändlern nicht die Betroffenen gefährden darf, die als Zeuginnen aussagen. Weitere Informationen unter: www.amnesty-frauen.de
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