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Stoppt das staatliche Töten! ai veröffenlicht Todesstrafenstatistik 2006

2006 gab es wichtige Entwicklungen im Kampf gegen die Todesstrafe – positive wie negative. Im Juni schafften die Philippinen die Todesstrafe ab, Bahrain dagegen führte im Dezember seine ersten Hinrichtungen seit über zehn Jahren durch. Während weltweit inzwischen 129 Staaten die Todesstrafe abgeschafft haben, halten 68 Staaten weiterhin an der Todesstrafe fest. Bei einer Pressekonferenz in Rom veröffentlichte Irene Khan, internationale Generalsekretärin von amnesty international, die Todesstrafenstatistik für das Jahr 2006.  'An Kränen aufgehängt. Öffentliche Hinrichtung im Iran
An Kränen aufgehängt. Öffentliche Hinrichtung in Iran, copyright: APGraphicsBank

Die Statistiken für das vergangene Jahr zeigen, dass die Zahl der Staaten, die Todesurteile vollstreckt haben, gegenüber 2005 leicht zugenommen hat, während sich die Zahl der Hinrichtungen insgesamt um gut ein Viertel auf 1591 (2005: 2.148) verringert haben. Dabei handelt es sich um die amnesty international bekannt gewordenen Fälle, die tatsächlichen Zahlen liegen mit Sicherheit höher.

Wie in den vergangenen Jahren auch, vollstreckte eine kleine Anzahl von Staaten den Großteil dieser Hinrichtungen. 91 Prozent der bekannt gewordenen Exekutionen 2006 wurden in sechs Ländern durchgeführt: China, Iran, Pakistan, Irak, Sudan und in den USA.



Länder mit den meisten Hinrichtungen 2006 (Kasten)

China: mindestens 1.010

Iran: 177
Pakistan: 82
Irak: mindestens 65
Sudan: 65
USA: 53


Verurteilt wegen Betrugs. Erschießungskommando in Vietnam © ai
Verurteilt wegen Betrugs. Erschießungskommando in Vietnam

 
Die meisten Hinrichtungen weltweit werden in der Volksrepublik China vollzogen. Die chinesische Regierung veröffentlicht keine Todesstrafenstatistiken. amnesty international hat auf Grundlage öffentlich zugänglicher Berichte 1.010 Exekutionen im Jahr 2006 ermittelt, verlässlichen Informationen zufolge liegt die tatsächliche Zahl zwischen 7.000 und 8.000 Hinrichtungen.
Außerhalb Chinas verzeichnete amnesty international 2006 etwa 500 Hinrichtungen und schätzt die tatsächliche Zahl auf etwa 1.000.

Immer mehr Todesurteile werden wegen verschärfter Verordnungen zur Bekämpfung des Terrorismus und wegen nicht gewalttätiger Verbrechen ausgesprochen: in Saudi-Arabien wegen Homosexualität, in Südostasien wegen Drogenhandels, in China wegen Korruption, Diebstahls und Handtaschenraubs. )

Im vergangenen Jahr wurden mindestens 3.861 (2005: 5.186) Todesurteile in 55 (2005: 53) Ländern ausgesprochen.


Länder mit den meisten Todesurteilen 2006
China: 2790
Pakistan: mindestens 446
Bangladesch: mindestens 130
USA: mindestens 100
Japan: 44
Jordanien: mindestens 42

Schätzungen zufolge warteten Ende 2006 weltweit zwischen 19.000 und 24.000 Frauen und Männer darauf, dass der Staat ihnen das Leben nimmt.


Hinter den nüchternen Zahlen stehen Menschen:

Allein in den USA leben etwa 3.300 Menschen im Todestrakt, die meisten in den Bundesstaaten Kalifornien, Florida, Texas und Pennsylvania. 2006 wurden 53 zum Tode Verurteilte hingerichtet. Die mit Abstand meisten Exekutionen fanden im Bundesstaat Texas statt (24). In diesem Jahr sind bis zum 13. April bereits zwölf Todesurteile vollstreckt worden.

In Saudi-Arabien wurden ausländische Arbeitskräfte aus Afrika hingerichtet, nachdem Gerichtsverfahren in einer Sprache stattgefunden hatten, die sie nicht verstanden – einige wussten nicht einmal, dass ihnen die Todesstrafe drohte.

 Warten auf den Tod. Todestrakt in Illinois, USA
Warten auf den Tod. Todestrakt in Illinois, USA. Copyright: APGraphicsBank

Iran: Frauen werden weiterhin wegen einvernehmlicher außerehelicher sexueller Beziehungen zu Tode gesteinigt, obwohl die Oberste Justizautorität 2002 ein Moratorium für Hinrichtungen durch Steinigung verfügt hat. Steinigungen sollen möglichst großes Leid hervorrufen, sie führen zu einem langsamen und qualvollen Tod.)

Todesurteile gegen jugendliche Straftäter


Internationale Menschenrechtsverträge verbieten es, Personen zum Tode zu verurteilen, die zur Tatzeit das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten.

Den internationalen Verpflichtungen zum Trotz vollstreckte der Iran 2006 vier Todesurteile (2005: acht) von Minderjährigen. Der Iran führt die Liste der seit 1990 ermittelten Vollstreckung von Todesurteilen Minderjähriger mit 22 hingerichteten Minderjährigen an; allein 15 Todesurteile wurden zwischen 2004 und 2006 vollstreckt.



Länder, in denen Hinrichtungen Minderjähriger stattfinden (bekannt gewordene Zahlen 1990-2006)

Iran: 22
China: 2
Kongo: 1
Nigeria: 1
Saudi-Arabien: 1
Sudan: 2


Todesstrafe: Keine Staatsangelegenheit, sondern eine Frage der Menschenrechte

Menschenrechte sind staatlicher Gewalt übergeordnet.

„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ lautet Artikel 3 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe ist nicht mehr umzukehren. Allein seit Beginn der 1990er Jahre haben über 40 Staaten und Territorien die Todesstrafe für alle Delikte abgeschafft oder zumindest ihre Anwendung in Friedenszeiten verboten. Diese Entwicklung ist dem Engagement von Organisationen wie ai und anderen zu verdanken.

amnesty international lehnt die Todesstrafe uneingeschränkt ab und verurteilt jede Form der Hinrichtung.

pdf-Dokumente zum Download:

Essay Todesstrafe 2006
Weltkarte Hinrichtungen und Todesurteile 2006
Weltkarte Staaten mit und ohne Todesstrafe
Todesstrafe gegen Minderjährige
Todesstrafe in den USA
Todesstrafe - Pro und Contra

Weitere Informationen

Website der ehrenamtlichen ai-Todesstrafenexperten
Todesstrafenstatistik auf Englisch

letzte Aktualisierung: 25. April 2007

amnesty international

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