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amnesty journal Juli / August 2006

MENSCHENRECHTSVERTEIDIGER

Eine Stimme für viele

Adwoa Kufuor legt sich mit der sudanesischen Regierung an und sagt, was andere aus Angst verschweigen. Von Anouk Henry

Sie wirkt sehr selbstbewusst, wie eine Geschäftsfrau aus der Großstadt. »Ich habe Glück, ich lebe in London«, sagt Adwoa Kufuor, Mitarbeiterin von SOAT, der sudanesischen Organisation gegen die Folter. »Meine Kolleginnen und Kollegen im Sudan sind nicht so privilegiert wie ich«, sagt sie. Was das heißt, hat sie vor ein paar Wochen am eigenen Leib auf einer NGO-Konferenz erfahren, die anlässlich des African Union-Gipfels in Khartum stattfand. »Zehn Sicherheitsleute sind in unseren Raum eingedrungen. Wir mussten die Telefone ausschalten und sie nahmen unsere Laptops mit«, erzählt die ursprünglich aus Ghana stammende Adwoa Kufuor. »Wir wussten, dass sie eine bestimmte Person suchten«, sagt sie.

Trotz der Anwesenheit von Diplomaten wurden die rund vierzig Aktivisten während mehrerer Stunden festgehalten. »Sie haben sogar versucht, die sudanesischen Aktivisten von den internationalen zu trennen.« Glücklicherweise ging der Vorfall glimpflich aus. Sie wurden freigelassen und erhielten ihre Telefone am nächsten Tag zurück. Seit damals kriegt Adwoa Kufuor von ihren Kollegen häufig zu hören: »Jetzt wissen Sie, was es heißt, im Sudan zu arbeiten.«

Solche Aktionen sind an der Tagesordnung gegenüber Organisationen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzen. Anfang April wurden fünf Oppositionelle festgenommen. Für die Vertreter von SOAT ging es dabei eindeutig um die Unterdrückung der Organisation, für die sie arbeiteten, den Beja Congress. Was Adwoa Kufuor und ihren Kollegen ebenfalls große Sorgen bereitet, ist das neue NGO-Gesetz, das im Februar verabschiedet wurde. Damit werden alle Organisation dazu verpflichtet, sich bei der sudanesischen Regierung registrieren zu lassen. Aufgrund dieses Gesetzes ordnete die sudanesische Regierung die Schließung von zwei Büros der Organisation für soziale Entwicklung des Sudan (SUDO) an.

Auch internationale Organisationen werden von der Repression nicht verschont: der Zugang zur Region Darfur wird stark kontrolliert und ausländische Mitarbeiter werden immer wieder mit hohen administrativen Hürden konfrontiert, insbesondere bei der Erlangung von Visas. Die junge Frau kritisiert die Situation im Westen des Landes, die nach wie vor dramatisch ist. »Dank des internationalen Drucks hat die Regierung letztes Jahr damit aufgehört, die Flüchtlingslager zu bombardieren. Doch die Angriffe durch bewaffnete Milizen gehen unaufhörlich weiter. Die Gewalt gegen Frauen ist besonders dramatisch.« Um sich zu schützen, haben sich viele Organisationen der Selbstzensur unterworfen, wie die Menschenrechtsverteidigerin sagt. »Es gibt Dinge, die man nicht sagt, z.B. ›diese Männer haben eine Uniform getragen‹.« Diese Vorsichtsmaßnahmen reichen nicht immer: Im vergangenen Oktober wurden zahlreiche Personen in Khartoum festgenommen. Die SOAT wurde wegen Spionage angeklagt.


SUDAN

Für die Menschen aus der Krisenprovinz Darfur im Westen Sudans ist kein Frieden in Sicht: Nach Schätzung der UNO hat der Konflikt bislang rund 300.000 Menschen das Leben gekostet. Über eine Million floh vor Regierungstruppen und Reitermilizen in den benachbarten Tschad. Doch auch dort sind sie vor den Angriffen nicht sicher. Zusätzliche Gefahr besteht durch die Cholera, die derzeit grassiert. Die Meinungsfreiheit wird in dem gesamten Land unterdrückt, willkürliche Festnahmen, Inhaftierungen und Folter sind alltäglich. Menschenrechtsverteidiger sind Schikanen und Bedrohungen ausgesetzt. Zum Beispiel wurde gegen SOAT ein Verfahren wegen der Verbreitung von falschen Informationen eingeleitet.

amnesty international

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