Kolumbien:
gefährdet:
José Onofre Esquivel Luna, Mitglied der Gewerkschaft SINALTRAINAL
und andere SINALTRAINAL-Mitglieder
getötet:
Luciano Enrique Romero Molina
amnesty international ist um die Sicherheit von José Onofre Esquivel Luna besorgt. Die Wohnung des Leiters des Lokalbüros der Gewerkschaft der Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria de Alimentos - SINALTRAINAL) in Bugalagrande im Departement Valle del Cauca ist in den vergangenen Wochen von bewaffneten Männern beschattet worden. Luciano Enrique Romero Molina, ein anderes Mitglied der Gewerkschaft SINALTRAINAL, ist vor kurzem in Valledupar im Departement Cesar ermordet worden.
Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass vor Mordanschlägen auf Gewerkschafter diese von Paramilitärs, welche die Unterstützung des Militärs genießen, observiert worden sind. Am 12. September 2005 fiel ein weißes Fahrzeug auf, das um das Haus von José Onofre Esquivel herumfuhr. Eine Woche später, am 19. September 2005, wurde ein bewaffneter Mann in der Nähe des Hauses in dem Ort Bugalagrande gesichtet. Die Nachbarn des Gewerkschafters sind zudem wiederholt von Unbekannten nach seinem Aufenthaltsort befragt worden.
José Onofre Esquivel ist bereits einmal von Paramilitärs aus Centro del Valle del Cauca Bloc, den „Autodefensas Unidas de Colombia“ (AUC), zum „militärischen Ziel“ erklärt worden. Am 11. Oktober 2003 fand er eine schriftliche Morddrohung in seinem Spind an seinem Arbeitsplatz. Die Drohung richtete sich an ihn und seine Gewerkschaftskollegen Rogelio Sanchez, Alfonso Espinosa und Freddy Ocoro. Letztgenannter ist inzwischen aus Angst um sein Leben ins Ausland geflohen.
Zusätzlichen Anlass zur Sorge um die Sicherheit aller SINALTRAINAL-Mitglieder bietet die jüngste Ermordung eines Führers der Gewerkschaft. Am 11. September 2005 fand man den Leichnam von Luciano Enrique Romero Molina mit zusammengebundenen Händen und über 40 Stichwunden in dem Viertel La Nevada von Valledupar im Departement Cesar. Das Gebiet dort steht dem Vernehmen nach unter der Kontrolle einer vom Militär unterstützten paramilitärischen Gruppierung. Luciano Enrique Romero Molina war ein leitendes Mitglied von SINALTRAINAL und der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation „Comité de Solidaridad con los Presos Políticos“ (CSPP). Im Oktober 2002 war er zusammen mit Kollegen Meldungen zufolge von seinem Arbeitgeber während eines Arbeitskonflikts entlassen worden. Aufgrund von Drohungen der Paramilitärs sah er sich damals gezwungen, das Land zu verlassen, und kehrte erst im April dieses Jahres nach Kolumbien zurück.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Gewerkschafter sind in Kolumbien nach wie vor in Gefahr, Menschenrechtsverletzungen zum Opfer zu fallen. Die große Mehrheit davon wird von Paramilitärs mit Unterstützung des Militärs oder von den Sicherheitskräften verübt, aber Guerrillagruppen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls Menschenrechtsverstöße an Gewerkschaftern begangen.
Viele dieser Menschenrechtsverletzungen an Gewerkschaftern werden bei Arbeitskonflikten verübt. Gewerkschaftsmitglieder werden von den Sicherheitskräften und ihren paramilitärischen Verbündeten oftmals als „subversive Elemente“ bezeichnet und diese Anschuldigungen haben dann oftmals schwere Menschenrechtsverletzungen zur Folge. Wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements werden die Beschuldigten mit dem Tode bedroht, fallen dem „Verschwindenlassen“ zum Opfer oder werden ermordet. Nach Angaben von Gewerkschaften sind in diesem Jahr bereits 37 Gewerkschafter in Kolumbien getötet worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- Ihre Sorge um die Sicherheit von José Onofre Esquivel Luna und anderen Mitgliedern von SINALTRAINAL sowie anderen Gewerkschaftern zum Ausdruck bringen;
- fordern, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Mordes an Luciano Enrique Romero Molina eingeleitet wird, deren Ergebnisse veröffentlicht werden und die das Ziel hat, die Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu stellen;
- die Behörden auffordern, in Absprache mit den Betroffenen wirksame Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Gewerkschafter zu ergreifen;
- fordern, dass die Verbindungen zwischen den Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen zum Gegenstand einer umfassenden und unparteiischen Untersuchung gemacht wird, deren Ergebnisse anschließend veröffentlicht werden und die das Ziel verfolgt, die Unterstützer und Angehörigen solcher Gruppierungen ausfindig zu machen und vor Gericht zu stellen;
- die kolumbianische Regierung auffordern, ohne Verzug ihren wiederholten Zusagen und den Empfehlungen der Vereinten Nationen nachzukommen, alle paramilitärischen Truppen in Kolumbien aufzulösen.
APPELLE AN:
Sr. Presidente Álvaro Uribe Vélez, Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No. 7-26, Bogotá, KOLUMBIEN (Staatspräsident - korrekte Anrede: Excmo. Sr. Presidente)
Telefax: (00 57) 1-337 5890
Vicepresidente de la República de Colombia, Dr. Francisco Santos Calderón, Vicepresidencia, Carrera 8A No 5-57, Santafé de Bogotá, KOLUMBIEN
(Vizepräsident – korrekte Anrede: Excelentísimo Sr. Vicepresidente)
Telefax: (00 57) 1-565 7682
Sr. Diego Palacio Betancur, Ministro de Protección Social, Ministerio de Protección Social, Ministerio de Salud, Carrera 13 No 32-76, Santafé de Bogotá, KOLUMBIEN
(Gesundheits-, Arbeits- und Sozialminister – korrekte Anrede: Sr. Ministro)
Telefax: (00 57) 1 336 8007
KOPIEN AN:
SINALTRAINAL, Carrera 15 No 35-18, Barrio Teusaquillo, Bogotá, KOLUMBIEN (Gewerkschaft)
Dr. Mario Germán Iguarán, Fiscal General de la Nación, Fiscalía General de la Nación, Diagonal 22B 52-01 (Ciudad Salite), Bogotá, KOLUMBIEN
(Generalstaatsanwalt – korrekte Anrede: Estimado Dr. Iguarán)
Telefax: (00 57) 1-570 2000 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss: “me da tono de fax por favor”, danach bitte Durchwahl 2017 eingeben)
Kanzlei der Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Dr. Victoriana Mejía-Marulanda
Kurfürstenstr. 84, 10787 Berlin
Telefax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. November 2005 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Spanish or your own language:
- expressing concern for the safety of José Onofre Esquivel Luna, other SINALTRAINAL members and trade unionists in Colombia;
- calling for a full and impartial investigation into the killing Luciano Enrique Romero Molina, with the results made public and those responsible brought to justice;
- calling for the Colombian authorities to implement measures deemed appropriate by those under threat to guarantee their safety;
- calling for a full and impartial investigation into links between the security forces and paramilitary groups, and asking that the results of the investigation are made public and those found responsible for supporting and participating in such groups are brought to justice;
- urging the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.