suchen / sitemap / kontakt / shop
suchen  

Urgent Action

UA-Nr: UA-319/2004
AI-Index: AMR 34/020/2004
Datum: 11/23/2004

SORGE UM SICHERHEIT

Guatemala:

Familienangehörige von Héctor Reyes Pérez
und Arbeiter auf der Farm „Finca Nueva Linda”

Im Südwesten Guatemalas haben Wachmänner protestierende Landarbeiter gewaltsam von der Farm „Finca Nueva Linda” vertrieben. amnesty international fürchtet nun um die Sicherheit der vertriebenen Menschen, da die Sicherheitsleute Berichten zufolge in der Umgebung nach Sprechern der Landarbeiter suchen.

Am 21. November 2004 sollen Wachmänner auf dem Großgrundbesitz erschienen sein, in die Luft geschossen und rund 150 Farmarbeiter und deren Angehörige gewaltsam von dort vertrieben haben. Angehörige der Polizei (Policia Nacional Civil) hielten sich zwar Berichten zufolge in der Umgebung auf, griffen aber nicht ein. Während der Räumungsaktion sollen die Wachmänner versucht haben, den Sohn von Héctor Reyes Pérez festzunehmen, er konnte jedoch entkommen. Héctor Reyes Pérez, ein Gemeindesprecher und Verwalter der Farm, ist seit dem 5. September 2003 „verschwunden“.

Laut Angaben des Rechtsanwalts des Großgrundbesitzers haben die Farmarbeiter den Grundbesitz friedlich verlassen. Mitglieder von „Plataforma Agraria“, einem Dachverband von Organisationen, die sich in Landrechtsfragen engagieren, gingen zur „Finca Nueva Linda”, um dort mit den Arbeitern zu sprechen, als sie Schüsse hörten und zu dem Schluss kamen, dass die Arbeiter aus Angst um ihr Leben geflohen waren. Die vertriebenen Familien haben nun in Häusern der Umgebung der Farm Zuflucht gesucht.

Nach dem „Verschwinden” von Héctor Reyes Pérez kamen die polizeilichen Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass der Grundbesitzer und der Sicherheitschef unter dringendem Tatverdacht stehen, an seinem „Verschwindenlassen“ beteiligt gewesen zu sein. Bislang hat die örtliche Staatsanwaltschaft (Fiscal Regional) die beiden Männer jedoch nicht unter Anklage gestellt. Aus Protest dagegen hatten im Oktober 2003 etwa 200 Landarbeiter aus den umliegenden Gemeinden Teile der „Finca Nueva Linda” besetzt und wurden am 31. August 2004 von rund 1000 Polizisten gewaltsam von dort vertrieben.

Während der Räumung des besetzten Gebietes wurden acht Zivilisten (darunter eine schwangere Frau und drei Kinder) sowie vier Polizisten getötet. Viele weitere Menschen erlitten Verletzungen, und rund 300 Häuser wurden zerstört. Bis heute sind keine Anklagen bezüglich des exzessiven Gewalteinsatzes durch die Polizei erhoben worden. Aus Protest gegen das Verhalten der Anklagebehörden und gegen die schleppenden Ermittlungen zur Aufklärung des “Verschwindens” von Héctor Reyes Pérez sowie zur Unterstützung der Forderung nach Entschädigung für die Vertriebenen besetzten Landarbeiter die Farm erneut am 28. Oktober 2004.

Die Regierung von Staatspräsident Berger, die im Januar 2004 die Amtsgeschäfte übernahm, verfolgt offenbar die inoffizielle Politik Landkonflikte dadurch zu lösen, dass Familien gewaltsam von bewirtschaftetem Land vertrieben werden. In den ersten acht Monaten der Regierung Berger wurden 36 Fälle gemeldet, in denen jeweils zahlreiche Menschen gewaltsam von Ländereien vertrieben wurden. Zumeist ging die Polizei dabei mit exzessiver Gewalt vor. Die meisten der betroffenen Familien hatten entweder gegen ihrer Meinung nach unfaire Entlassungen protestiert oder waren an Landkonflikten beteiligt.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Bitte schreiben Sie Luftpostbriefe, Telefaxe oder E-Mails, in denen Sie

  • Ihre Sorge um die Sicherheit der Familienangehörigen von Héctor Reyes Pérez sowie der Landarbeiter zum Ausdruck bringen, die am 21. November 2004 von der Farm „Finca Nueva Linda” vertrieben worden sind;
  • fordern, dass umgehend unparteiische Untersuchungen des mutmaßlichen gewaltsamen Vorgehens der Wachleute und der Untätigkeit der Polizei eingeleitet werden;
  • ebenso eine Untersuchung der Berichte über den exzessiven Gewalteinsatz durch die Polizei bei der Räumung am 31. August 2004 fordern;
  • fordern, dass das „Verschwindenlassen“ von Héctor Reyes Pérez zum Gegenstand einer umfassenden und unparteiischen Untersuchung gemacht wird, die Ergebnisse der Ermittlungen veröffentlicht und die für die mutmaßliche Entführung Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

APPELLE AN:

Licenciado Oscar Berger Perdomo, Presidente de la República de Guatemala, Palacio Nacional, 6a Avenida ‘A‘ 4-18, Zona 1, Ciudad de Guatemala, GUATEMALA
(Staatspräsident - korrekte Anrede: Excelentísimo Señor Presidente)
Telefax: (00 502) 2221 4423, (00 502) 2239 0090

Juan Luis Florido, Fiscal General de la República, Oficina de la Fiscalía General del Ministerio Público, 8a Avenida, 10-67, Tercer nivel, Zona 1, Ciudad de Guatemala, GUATEMALA
(Generalstaatsanwalt - korrekte Anrede: Estimado Fiscal General)
Telefax: (00 502) 2251 2218

Carlos Vielman, Ministro de Gobernación, Ministerio de Gobernación, 6a Avenida 4-64, Zona 4, nivel 3, Ciudad de Guatemala, GUATEMALA (Innenminister - korrekte Anrede: Señor Ministro)
Telefax: (00 502) 2362 0237
E-Mail: ministro@mingob.gob.gt

KOPIEN AN:

Director General de la Policía Nacional Civil, Comisario General Gustavo Adolfo Dubon
6ª Avenida 13-71, Zona 1, 1er nivel, Ciudad de Guatemala, GUATEMALA (Polizeichef)
Telefax: (00 502) 2232 0224 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss, sagen Sie bitte: "el tono de fax, por favor")
E-Mail: pnc@pnc.gob.gt

Diario Prensa Libre
13 Calle 9-31, Zona l, Ciudad de Guatemala 01001, GUATEMALA (Zeitung)
Telefax: (00 502) 2251 8768

Plataforma Agraria
6ª Avda. 2-30, Zona 1, Guatemala City, GUATEMALA (Dachverband von Nichtregierungsorganisationen, die sich in Landrechtsfragen engagieren)
Telefax: (00 502) 2232 5841

Kanzlei der Botschaft der Republik Guatemala, Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG., 10557 Berlin
(S. E. Herrn Julio Roberto Palomo Silva)
Telefax: 030-2064 3659
E-Mail: embaguate.alemania@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Januar 2005 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Spanish or your own language:
- expressing concern for the safety of Héctor Reyes Pérez’s family and the workers evicted from the plantation on 21 November;
- calling for a full, prompt and impartial investigation into the alleged violence and police inaction during the eviction;
- calling for an investigation into alleged police use of excessive force during the 31 August eviction;
- calling for a full, prompt and impartial investigation into the apparent abduction of Héctor Reyes Pérez, with the results of all investigations made public and those found responsible brought to justice.

amnesty international

Zurück Druckversion

amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
Telefon: 0228/983 73-0 - Telefax: 0228/63 00 36
Spendenkonto: 80 90 100 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00

E-mail:ua-de@amnesty.de