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amnesty journal Oktober 2005

»Feindliche Klasse«

In Nordkorea ist die Pressefreiheit extrem eingeschränkt. Wer abweichende Meinungen äußert, landet in so genannten Umerziehungslagern. Von Roland Brauckmann

Das diktatorisch regierte Nordkorea ist eines der isoliertesten Länder der Welt. Abgeschottet vom Rest der Welt begeht die Regierung unter Kim Jong Il, der sich zu Propagandazwecken »Geliebter Führer« nennen lässt, schwer wiegende Menschenrechtsverletzungen und enthält den Menschen grundlegende Rechte wie Reise- und Meinungsfreiheit vor. Gleichzeitig wird die Bevölkerung seit zehn Jahren mit der Nahrungsmittelknappheit unter Druck gesetzt, indem die Regierung die Verteilung von Lebensmitteln vom politischen »Wohlverhalten« der Menschen abhängig macht. Ein Viertel der Bevölkerung zählt zur »feindlichen« Klasse und wird bei der knappen Nahrungszuteilung am Rande des Verhungerns gehalten. Inzwischen leiden von den insgesamt 22 Millionen Einwohnern 13 Millionen an chronischer Unterernährung. Hilfsorganisationen schätzen, dass seit 1995 bis zu zwei Millionen Menschen am Hunger starben. Seit 1990 sollen bis zu 300.000 Menschen in die Volksrepublik China geflohen sein, viele von ihnen wurden wieder abgeschoben. Flüchtlinge, die von den chinesischen Behörden zur Rückkehr gezwungen werden, müssen in Nordkorea mit Festnahmen, Folter, Verhören und Haftstrafen bis zu sieben Jahren rechnen.

Politische Opposition wird in Nordkorea nicht geduldet. Es gibt keine Religionsfreiheit; praktizierende Christen werden interniert. Die Pressefreiheit ist extrem eingeschränkt, Nachrichtenmedien werden vollständig vom Staat kontrolliert. Radio- und Fernsehgeräte empfangen nur staatliche Sender. Wer eine abweichende Meinungen äußert, wird in so genannte »Umerziehungslager« (kwalliso) gesteckt, in der Regel sogar die ganze Familie bis in die dritte Generation. In solchen Lagern sollen bis zu 200.000 Menschen gefangen gehalten werden, in denen nach Aussagen von Flüchtlingen Folter und willkürliche Hinrichtungen stark verbreitet sind und die medizinische Versorgung katastrophal ist. Es sollen inzwischen mehr Gefangene durch das Fehlen medizinischer Hilfe sterben, als durch die Misshandlungen des Wachpersonals.

Der Autor ist Nordkorea-Experte der deutschen ai-Sektion.

amnesty international

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