USA (Kalifornien): Stanley Tookie Williams, 51 Jahre alt
Stanley Williams, ehemaliger Anführer einer Bande, soll am 13. Dezember 2005 im US-Bundesstaat Kalifornien hingerichtet werden. Er wurde 1981 wegen vierfachen Mordes im Zusammenhang mit zwei 1979 verübten Raubüberfällen zum Tode verurteilt. Bei dem ersten Raubüberfall starb Albert Owens, bei dem zweiten Überfall wurden der Motelbesitzer Yen-Yi Yang, seine Ehefrau Tsai-Shen Yang und die gemeinsame Tochter Ye-Chen Lin ermordet. Während seiner Haft im Todestrakt hat sich Stanley Williams von seiner Vergangenheit distanziert und seine Gewalttaten verurteilt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendliche darüber aufzuklären, welche Gefahren das kriminelle Bandenleben birgt.
Stanley Williams war einer der Gründer der berüchtigten Straßenbande „Grips“ in Los Angeles Anfang der 70-er Jahre. Seinen eigenen Angaben zufolge war er auch in den ersten sieben Jahren nach seiner Verurteilung in der Haft noch gewalttätig. In den darauffolgenden sechs Jahren in Einzelhaft (1988-1994) durchlebte eine, wie er es beschreibt, „erlösende Verwandlung“, distanzierte sich von seinem Leben als Bandenführer und begann Jugendliche über die Gefahren eines solchen Lebens aufzuklären. Seitdem wird er – vor allem aufgrund mehrerer von ihm verfasster Jugendbücher über das Bandenleben – von vielen sozial benachteiligten Jugendlichen als Symbolfigur gesehen, die ihnen Hoffnung und einen Lebensinhalt gibt. Seit der Aufhebung seiner Einzelhaft gilt er als Häftling mit besonders guter Führung. Im Jahr 2005 erhielt er eine Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement des unter der Schirmherrschaft des US-Präsidenten stehenden „President's Council on Service and Civic Participation“.
Stanley Williams hat immer wieder beteuert, die Morde nicht begangen zu haben, wegen derer er zum Tode verurteilt wurde. In seinem Gnadengesuchen machen die Anwälte geltend, dass die Anklage gegen ihn auf Aussagen von Komplizen und Informanten basierte, denen wegen verschiedener Straftaten Haftstrafen oder die Todesstrafe drohten. Durch ihre Stanley Williams belastende Aussagen konnten sie ein geringeres Strafmaß beziehungsweise ihre Freilassung erreichen. Das Neunte US-Bundesberufungsgerichts (Ninth Circuit of Appeals) wies 1994 ein Rechtsmittel von Stanley Williams zurück, erklärte jedoch, dass sein Schuldspruch durch „Indizienbeweise und Aussagen von Zeugen zustande gekommen war, deren Hintergrund zweifelhaft war und die motiviert waren zu lügen, um so bei der Staatsanwaltschaft entweder im Hinblick auf den Schuldspruch oder das Strafmaß eine Reduzierung zu erwirken“. Das Verfahren gegen Stanley Williams fand in einem Gerichtsbezirk statt, in dem ein Prozent der zur Verfügung stehenden Geschworenen schwarzer Hautfarbe sind. Der Vertreter der Anklage ließ jedoch alle Schwarzen aus der Jury ausschließen.
Dem Gnadengesuch von Stanley Williams sind mehrere E-Mail-Schreiben beigefügt, die er von Schülern, Bandenmitgliedern, Lehrern, Angehörigen der Streit- und Sicherheitskräfte und Eltern erhalten hat. Beispielhaft werden hier zwei dieser Schreiben zitiert:
„Ich bin ein 16-jähriger Jugendlicher aus San Francisco, Kalifornien. Ich möchte mich persönlich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir das Leben gerettet haben. ... Nachdem ich Ihr Buch gelesen habe, hab’ ich aufgehört zu trinken ... Sie haben mir außerdem erklärt, wie man ohne Gewalt leben kann und dass das Leben viel zu kurz ist, um die ganze Zeit wütend zu sein“.
„Als Bewährungshelfer empfehle ich den Jugendlichen, mit denen ich zu tun habe, Ihre Bücher zu lesen. In der heutigen Gesellschaft brauchen die Jugendlichen Leute wie Sie in ihrem Leben. Das Motto meiner Arbeit ist: ‚Wenn ich das Leben auch nur eines Kindes ändern kann, dann bin ich meiner Aufgabe gerecht geworden’“.
Im Januar 2005 kündigte der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, Pläne an, das Justizvollzugswesen zu reformieren, indem der Schwerpunkt nicht auf Bestrafung, sondern auf Resozialisierung gelegt werde. In seiner Entscheidung aus dem Jahr 2004 erklärte das Neunte US-Bundesberufungsgericht, dass Stanley Williams „durch sein gutes Verhalten und seine seit der Inhaftierung erworbenen Fähigkeiten“ die Voraussetzungen für eine Begnadigung durch den Gouverneur geschaffen hat.
amnesty international erkennt das Recht und die Verantwortung von Behörden an, Straftäter strafrechtlich zu verfolgen, wendet sich jedoch gleichzeitig ungeachtet der Schwere eines Verbrechens vorbehaltlos gegen die Todesstrafe, weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben (des fundamentalsten Menschenrechts) und des Rechts, keiner grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen zu werden, darstellt; diese Rechte sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Die Todesstrafe stellt eine Verletzung der Menschenwürde dar, ist ein Zeichen für eine Kultur der Gewalt und keine Lösung dieses Problems. Zudem ist das System der Todesstrafe in den USA von Willkür, Diskriminierung und Fehlentscheidungen gekennzeichnet.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- sich angesichts der Meldung besorgt zeigen, dass Stanley Williams am 13. Dezember 2005 hingerichtet werden soll;
- darlegen, dass Sie sich der Schwere des Verbrechens bewusst sind und Ihr Mitgefühl mit den Hinterbliebenen und Freunden von Albert Owens, Yen-Yi Yang, Tsai-Shen Yang und Ye-Chen Lin zum Ausdruck bringen, jedoch gleichzeitig Ihre vorbehaltlose Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck bringen, weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben (des fundamentalsten Menschenrechts) und des Rechts, keiner grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen zu werden, darstellt; diese Rechte sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert;
- Gouverneur Schwarzenegger auffordern, die in diesem Fall vorliegenden Stellungnahmen zur Persönlichkeit von Stanley Williams zu berücksichtigen: die Abwendung von seiner von Gewalt geprägten Vergangenheit und seine Bemühungen, Jugendliche von Gewalttaten abzubringen, sowie seine Stellung als Symbolfigur für sozial benachteiligte Jugendliche;
- darlegen, dass ein US-Berufungsgericht das Verhalten und die erworbenen Fähigkeiten von Stanley Williams als Voraussetzungen beurteilt, die eine Begnadigung durch den Gouverneur rechtfertigen könnten;
- Gouverneur Schwarzenegger auffordern, das gegen Stanley Williams verhängte Todesurteil umzuwandeln.
APPELLE AN:
The Honorable Arnold Schwarzenegger, Governor of California, State Capitol Building, Sacramento CA 95814, USA
Gouverneur - korrekte Anrede: Dear Governor)
Telefax: (001) 916 445-4633
E-mail governor@governor.ca.gov
KOPIEN AN:
Kanzlei der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
S.E. Herrn William Robert Timken, Jr.
Neustädtische Kirchstr. 4-5, 10117 Berlin
Telefax: 030-238 6290
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English or your own language:
- expressing concern that Stanley Williams is scheduled to be executed on 13 December;
- expressing sympathy for the family and friends of Albert Owens, Yen-Yi Yang, Tsai-Shen Yang and Ye-Chen Lin, and explaining that you are not seeking to condone the manner of their deaths or to minimize the suffering caused;
- urging Governor Schwarzenegger to recognize the extraordinary facts in this case: Stanley Williams’s absolute repudiation of his past acts; that he has, since his incarceration, made successful efforts to change the violent conduct of others; and that he has become an important figure and symbol of hope to many disadvantaged youth;
- pointing out that the US Circuit Court of Appeals for the Ninth Circuit noted that Stanley Williams’s “good works and accomplishments may make him a worthy candidate” for an act of executive clemency;
- urging him to grant clemency to Stanley Williams and commute his death sentence.