Sudan:
Abdallah Musa Abdallah, Generalsekretär der Oppositionspartei „Beja Congress“ im Bundesstaat „Rotes Meer“
Dr. Mahmoud Osman Ibrahim, 45-jähriger Generalsekretär der “Beja Congress” in der Stadt Kassala
in Port Sudan inhaftiert:
Hashem Ali Dura
Abdel Rahim Ali Bur’i
in Kassala inhaftiert:
Aderob Bakkash, 22-jähriger Student
Khalifa Omar Ohajj, 23-jähriger Student
Ali Hussein Ali, 40-jähriger Freiberufler
Mohamed Samra, 40-jähriger Freiberufler
Hussein Adam, 35 Jahre alt
und zahlreiche weitere Personen
Die neun oben genannten Männer sowie zahlreiche weitere Personen werden Berichten zufolge in Einrichtungen der sudanesischen Sicherheitskräfte in den Städten Port Sudan und Kassala festgehalten. Diese liegen im Bundesstaat Al-Bahr al-Ahmar („Rotes Meer“) im Osten des Sudan. Aderob Bakkash und Khalifa Omar Ohajj, die in Kassala inhaftiert sind, werden offenbar gefoltert. amnesty international fürchtet deshalb um das Leben der zwei Männer sowie weiterer Gefangener, die ebenfalls der Volksgruppe der Beja angehören.
Die Festnahmen erfolgten im Zusammenhang mit Demonstrationen am 26. und 29. Januar 2005 in Port Sudan, an denen vornehmlich Angehörige der Volksgruppe der Beja teilnahmen. Sie forderten Gleichberechtigung und politische Mitbestimmungsrechte in der Region. Friedlich verliefen die Demonstrationen am 26. Januar 2005, die in der Übergabe einer Liste von Forderungen an den Gouverneur des Bundesstaates „Rotes Meer“ gipfelten. Ihm wurde eine Frist von 72 Stunden gesetzt, um darauf zu reagieren.
Nicht friedlich verlief der 29. Januar 2005; bewaffnete Sicherheitskräfte setzten offenbar scharfe Munition gegen die Demonstranten ein, angeblich weil die Kundgebung zu eskalieren drohte. Die Sicherheitskräfte beschossen daraufhin auch Häuser außerhalb des Demonstrationsortes, und warfen Berichten zufolge außerdem Granaten. Dabei wurden Anwohner verletzt, darunter auch Kinder. Mindestens 20 Menschen wurden getötet.
Zwischen dem 29. Januar und 1. Februar 2005 nahmen die Sicherheitskräfte zahlreiche weitere Personen fest, darunter führende Köpfe und Mitglieder der Oppositionspartei „Beja Congress“. Diese Partei fordert das Ende der Diskriminierungen, politische Mitbestimmung und einen gerechten Anteil am Wohlstand und den Ressourcen des Sudan.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die jüngsten Demonstrationen in Port Sudan stehen mit den Krisen im Westen und Süden des Landes in Zusammenhang. Aufgrund der Kämpfe bewaffneter Gruppierungen gegen die Marginalisierung sesshafter Ackerbauern in der Region Darfur im Westen des Sudan, mussten mehr als 1,65 Millionen Menschen aus den ländlichen Gebieten fliehen. Mehr als 50.000 Menschen wurden getötet. Am 9. Januar 2005 wurde in Nairobi ein Friedensabkommen zwischen der bewaffneten Oppositionsgruppe „Sudan People’s Liberation Army“ (SPLA) und der Regierung in Khartum unterzeichnet, das den 21 Jahre dauernden Konflikt im Süden des Landes beenden soll. An den Rand gedrängte Gruppierungen aus der Provinz Darfur und den nördlichen und östlichen Landesteilen fühlen sich allerdings von dem Friedensabkommen ausgeschlossen.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
- die Behörden auffordern, eine unabhängige Untersuchung der Foltervorwürfe von Aderob Bakkash und Khalifa Omar Ohajj in Kassala im Bundesstaat „Rotes Meer“ im Osten des Sudan einzuleiten;
- um die Zusicherung bitten, dass die beiden Männer sowie alle übrigen Gefangenen vor weiteren Folterungen und Misshandlungen geschützt werden;
- fordern, dass allen inhaftierten Angehörigen der Volksgruppe der Beja der Zugang zu Familienangehörigen, Rechtsanwälten und zu erforderlicher medizinischer Versorgung gewährt wird;
- die Behörden auffordern, die Gefangenen sofort freizulassen, sofern man sie nicht einer erkennbar strafbaren Handlung anklagt und ihnen ein faires Gerichtsverfahren gewährt wird;
- bei den Behörden darauf dringen, dass umgehend eine unabhängige und unparteiische Untersuchungskommission eingesetzt wird, die die Tötungen in Port Sudan untersucht sowie fordern, dass diejenigen, die exzessiv Gewalt selbst angewandt oder dies angeordnet haben, vor Gericht gestellt werden.
APPELLE AN:
Mr Ali Osman Mohamed Taha, First Vice-President, People's Palace, PO Box 281, Khartoum, SUDAN
(Vizepräsident – korrekte Anrede: Your Excellency)
Telefax: (00 249) 183 771 025
Mr Mustafa Osman Ismail, Minister of Foreign Affairs, Ministry of Foreign Affairs, PO Box 873, Khartoum, SUDAN (Außenminister - korrekte Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 249) 11-779 383
Mr Khatem al-Sirr al-Wasila, Governor of Red Sea State, Governor’s Residence, Port Sudan, SUDAN
(Gouverneur des Bundesstaates „Rotes Meer” – korrekte Anrede: Dear Governor)
Telefax: (00 249) 183 779977
KOPIEN AN:
El Tayeb Harun Ali, Head of Complaints Committee , Human Rights Advisory Council, PO Box 302, Khartoum, SUDAN
(Leiter des Beschwerdeausschusses des Menschenrechtsrates – korrekte Anrede: Dear Sir)
Telefax: (00 249) 183 781 343
Kanzlei der Botschaft der Republik Sudan, Kurfürstendamm 151, 10709 Berlin
(S.E. Herrn Ahmad Gafaar Ahmed Abdelkarim)
Telefax: 030-8940 9693
E-Mail: post@sudan-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. März 2005 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in Arabic or English or your own language:
- asking for an immediate independent investigation into the reported torture in detention of Aderob Bakkash and Khalifa Omar Ohajj in Kassala, Red Sea State, Eastern Sudan;
- seeking assurances that they and other detainees will not be further tortured or ill-treated;
-calling for all the members of the Beja ethnic group in detention to be given immediate access to family, legal counsel and any medical attention they may need;
- asking for them to be released or be promptly charged with a recognizable criminal offence and given a fair trial;
- calling for the authorities to immediately set up an independent and impartial commission of inquiry into the killings in Port Sudan and for those that used or ordered the use of excessive lethal force to be brought to justice.