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amnesty journal Januar/Februar 2003
BRIEFE GEGEN DAS VERGESSEN - AKTION DES MONATS JANUAR 2003
| ÖSTERREICH
BINALI ILTER
Binali Ilter wurde am Nachmittag des 31. August 2002 auf einer belebten Straße im Wiener Stadtzentrum von der Polizei erschossen. Er war zu dem Zeitpunkt unbewaffnet und hatte starke psychische Probleme. Der 28-jährige Österreicher kurdischer Herkunft litt seit Jahren an Schizophrenie. Das war der Polizei im 11. Wiener Bezirk Berichten zufolge bekannt. Seine Mutter hatte am selben Tag die Polizei informiert, dass bei ihrem Sohn psychische Störungen aufgetreten seien und darum gebeten, ihr bei der Suche zu helfen.
Gegen 15 Uhr verlangte Ilter von der Verkäuferin in |  |

Familie und Freunde betrauern in Wien den Tod von Binali Ilter, September 2002 © Andy Urban |
einem Geschäft für Kinderbekleidung Geld. Er schlug ihr ins Gesicht, als sie sich weigerte. Daraufhin benachrichtigte der Ladenbesitzer die Polizei. Er sagte später aus, dass der Mann sichtlich verwirrt war, da er nach dem Zwischenfall nicht weglief. Kurz darauf verlangte Ilter Geld von einer anderen Frau und versuchte nach ihrer Handtasche zu greifen.
Zu den tödlichen Schüssen kam es eine Stunde später, als mehrere Polizisten ihn im Stadtzentrum stellen wollten. Er war barfuß, trug ein T-Shirt, Kniehosen und hielt eine Mineralwasserflasche in der Hand. Zwei Polizeibeamte forderten Ilter auf, stehen zu bleiben, und gaben nach eigenen Angaben einen Warnschuss ab, als er ihrer Aufforderung nicht nachkam. Zwei weitere Polizisten überholten Ilter, der weiter gelaufen war, mit ihrem Fahrzeug. Sie hielten an, stiegen aus, und ein Beamter zog seine Waffe. Als der offensichtlich verwirrte Ilter die Beamten anschrie und auf sie zuging, zog einer der Streifenpolizisten ebenfalls eine Waffe und schoss ihm in Schulter und Bauch. Zwar riefen die Polizisten einen Rettungswagen herbei, unternahmen aber keinen Versuch, seine Blutungen zu stoppen. Ilter starb am selben Tag im Krankenhaus.
Schreiben Sie bitte
höflich formulierte Briefe an den österreichischen Innenminister, in denen Sie ihn auffordern, umgehend eine gründliche und unparteiische Untersuchung des tödlichen Zwischenfalls einzuleiten. Fragen Sie, warum Schusswaffen gegen eine unbewaffnete Person eingesetzt wurden. Schreiben Sie auf Deutsch an:
Ernst Strasser
Bundesminister für Inneres
Bundesministerium für Inneres
Herrengasse 7
1014 Wien
ÖSTERREICH
(korrekte Anrede: Sehr geehrter Herr Bundesminister)
Telefax: 00 43-1-531 263 910
Bitte senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:
Kanzlei der Botschaft der Republik Österreich
S. E. Herrn Christian Prosl
Stauffenbergstr.1
10785 Berlin
Telefax: 030-229 0569
E-Mail: berlin-ob@bmaa.gv.at
(Standardbrief Luftpost bis 20g: € 0,55)
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