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Urgent Action

UA-Nr: UA-054/99
AI-Index: MDE 15/031/1999
Datum: 03/23/1999

DROHENDE FOLTER / RECHTSLAGE

Israel / Libanon:Adel Muhammad Yunes, 30jähriger Soldat der Südlibanesischen Armee (SLA)
und mindestens zwei weitere SLA-Angehörige

Mindestens drei libanesische Staatsbürger sind Berichten zufolge im Südlibanon von der "Südlibanesischen Armee" (SLA) oder den israelischen Streitkräften festgenommen worden. amnesty international fürchtet, daß sie mißhandelt oder gefoltert werden könnten.

‘Adel Muhammad Yunes und zwei weitere Soldaten der SLA sind nach Angaben aus SLA-Quellen in den vergangenen Tagen verhört worden. Rund 40 weitere gefangengenommene Bewohner Südlibanons, die Angehörige der islamischen Sekte der Drusen sind, wurden inzwischen freigelassen. Israel hat zwar angegeben, einige Bewohner des Südlibanon festgenommen zu haben, deren Identität jedoch nicht bekanntgegeben. Die Festnahmen stehen offenbar mit der Desertion von Khaled Munzer, einem drusischen SLA-Offizier, nach Libanon in Zusammenhang.

amnesty international vermutet, daß die Männer entweder nach Israel gebracht worden sind, wo sie bis zu drei Monate ohne Kontakt zu Anwälten oder Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) festgehalten werden können, oder sich in der berüchtigten Khiam-Haftanstalt im Südlibanon befinden, wo Häftlinge zum Teil bereits bis zu 13 Jahre inhaftiert sind, ohne daß sie je angeklagt wurden oder man ihnen einen Prozeß gemacht hätte.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Die Foltermethoden der israelischen Streitkräfte gegen gefangengenommene Libanesen sind offenbar noch grausamer als die vom "Allgemeinen Sicherheitsdienst" (GSS) gegen inhaftierte Palästinenser angewandte Art der Folter.

'Ali Banjak, ein libanesischer Staatsbürger, der 1996 von der SLA verhaftet und danach an die israelischen Streitkräfte übergeben worden war, schilderte später, daß man ihn am ganzen Körper, darunter auch an seinen Hoden, mit Fäusten und Stöcken geschlagen hatte. Er wurde wiederholt in die Höhe gehoben und auf einen vertikal aufragenden Stock fallengelassen, was zu unerträglichen Schmerzen in den unteren Körperpartien führte. Während des Verhörs mußte er auf einem 10 cm hohen Stuhl sitzen und in eine sehr helle Lichtquelle blicken. Weiter berichtete er, daß man ihm kaum etwas zu essen gegeben und ihm gedroht hatte, seine Familie zu töten und ihn als Kollaborateur zu denunzieren. Im April 1998 sprach ihn das Militärgericht von Lod von der Anklage der Mitgliedschaft in der "Hisbollah" frei. Die "Hisbollah" ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, die in der "Sicherheitszone" gegen die SLA und Israel kämpft.

Folteropfer der SLA berichteten ebenfalls, geschlagen und ausgepeitscht sowie mit sehr kaltem bzw. heißem Wasser abgespritzt und mit Elektroschocks gepeinigt worden zu sein. Man nimmt an, daß in der Khiam-Haftanstalt derzeit etwa 130 Menschen festgehalten werden, darunter auch Frauen und Kinder. Israel weist zwar jegliche Verantwortung für die Khiam-Haftanstalt von sich und verweist bei Nachfragen auf die SLA, ist aber als Besatzungsmacht im Südlibanon letztendlich für die Zustände in der Khiam-Haftanstalt verantwortlich.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Fax- bzw. Telebriefe, Telegramme oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • um die Zusicherung bitten, daß die libanesischen Staatsbürger, die gefangengenommen worden sind, vor jeglicher Form der Mißhandlung oder Folter geschützt wird, wie es in Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ("Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden") festgeschrieben ist;
  • darauf dringen, daß die israelischen Behörden bzw. die SLA umgehend die Identität und den Haftort der Gefangenen bekanntgeben;
  • fordern, daß die Inhaftierten sofort regelmäßigen Kontakt zu ihren Familienangehörigen, Anwälten ihrer Wahl und Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) aufnehmen dürfen, wie es das humanitäre Völkerrecht und internationale Menschenrechtsstandards vorsehen;
  • fordern, daß sie sofort und bedingungslos freigelassen werden, sofern man sie nicht einer erkennbar strafbaren Handlung anklagt und ihnen gemäß internationalen Standards ein fairer Prozeß gemacht wird.

APPELLE AN:

Mr. Binyamin Netanyahu, Prime Minister, Office of the Prime Minister, 3 Kaplan Street - Hakirya, Jerusalem 91007, ISRAEL (Ministerpräsident - korrekte englische Anrede: Dear Prime Minister)
Telegramm: prime minister, jerusalem, israel
Telefax: (00 972) 2-566 4838
E-Mail: feedback@pmo.gov.il

General Yitzhak Mordechai, Minister of Defence, Ministry of Defence, 7 'A' Street, Hakirya, Tel Aviv, ISRAEL (Verteidigungsminister - korrekte englische Anrede: Dear Minister)
Telefax: (00 972) 3-697 6218
Telegramm: defence minister, tel aviv, israel

General Antoine Lahad, South Lebanon Army, c/o Lieutenant-General Amnon Shahak, Chief of General Staff, 7 'A' Street, Hakirya, Tel Aviv, ISRAEL
(Oberbefehlshaber der SLA im Südlibanon - korrekte englische Anrede: Dear General)
Telegramm: general lahad, sla, c/o chief general staff, tel aviv, israel
Telefax: (00 972) 3-691 6940 (c/o Chief General Staff, Tel Aviv, Israel)

KOPIEN AN:

Kanzlei der Botschaft des Staates Israel, Simrockallee 2, 53173 Bonn
Telefax: (0228) 934 65 55 oder 934 63 26 - (S. E. Herrn Avraham Primor)

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hebräisch, Englisch oder auf deutsch. Da Informationen in urgent actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Mai 1999 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: Please send telegrams/telexes/faxes/express/airmail letters in English, Hebrew or your own language to the Israeli authorities, and in English, Arabic, French or your own language to the South Lebanon Army:

- seeking assurances that the Lebanese nationals arrested in recent days will not be subjected to any form of torture or ill-treatment, as required by Article 5 of the Universal Declaration of Human Rights, which states: "No one shall be subjected to torture or to cruel, inhuman or degrading treatment or punishment";

- urging Israel and the SLA to immediately disclose the identities and place of detention of these detainees;

- calling for these detainees to be given immediate and regular access to the International Committee of the Red Cross (ICRC), a lawyer of their own choice and their families, in accordance with international human rights standards and humanitarian law;

- calling for their immediate release if they are not to be promptly charged with a recognizable criminal offence, in which case they should be tried according to international standards for a fair trial.

amnesty international

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amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
Telefon: 0228/983 73-0 - Telefax: 0228/63 00 36
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