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Themenbericht
„HINSEHEN & HANDELN: Gewalt gegen Frauen verhindern“
amnesty international unterstützt starke Frauen
Frauen sind nicht nur Opfer von Gewalt, sie sind aktive und engagierte Verteidigerinnen der Menschenrechte. Sie setzen sich oftmals unter schwierigsten Bedingungen für die Rechte anderer ein und brauchen deshalb die Solidarität einer breiten Öffentlichkeit. Im Rahmen der Kampagne „HINSEHEN & HANDELN: Gewalt gegen Frauen verhindern“ unterstützt amnesty international gefährdete Menschenrechtsverteidigerinnen, damit sie vor Übergriffen geschützt werden und ihre Arbeit fortführen können.
Oft müssen Frauen gegen geschlechtsspezifische Rollenklischees kämpfen, um sich Glaubwürdigkeit und Respekt zu verschaffen. In vielen Kulturen wird die Zuständigkeit von Frauen auf den Privatbereich reduziert. Es ist gesellschaftlich nicht erwünscht, dass sie sich in öffentlich-politischen Fragen einmischen. Frauen, die vermeintlich nicht in die Öffentlichkeit gehören, haben auch keine Öffentlichkeit.
Das Risiko für Menschenrechtsverteidigerinnen ist besonders hoch, wenn sie sich explizit für Frauenrechte einsetzen, da Frauenrechte vielerorts nicht als Menschenrechte anerkannt werden. Dann können Menschenrechtsverteidigerinnen nur selten mit der Unterstützung anderer sozialer Bewegungen rechnen. Im Gegenteil: Gerade wenn es um Themen wie sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung geht, die religiöse und traditionelle Vorstellungen in Frage stellen, werden Aktivistinnen häufig öffentlich diffamiert und geächtet.
Durch ihren Einsatz schaffen sich Menschenrechtsverteidigerinnen Feinde in Regierungen und dominanten Gesellschaftsgruppen. In vielen Ländern werden sie von Militär, Polizei und anderen Staatsorganen bedroht, willkürlich verhaftet, misshandelt oder sogar ermordet. Staatliche Sicherheitskräfte dulden oder unterstützen es, wenn solche Verbrechen von paramilitärischen Milizen, Todesschwadronen oder organisierten Kriminellen begangen werden.
Menschenrechtsverteidigerinnen sind, weil sie Frauen sind, besonderen Gewaltfolgen ausgesetzt. Dazu gehören ungewollte Schwangerschaften und Fehlgeburten nach Vergewaltigungen auf Polizeistationen oder im Gefängnis.
Im Falle einer unmittelbaren Bedrohung von Menschenrechtsverteidigerinnen aktiviert amnesty international das erfolgreiche Frühwarnsystem der Urgent Actions, ein Eilaktions-Netzwerk. Tausende Briefeschreiber/innen aus der ganzen Welt machen dann deutlich, dass die Arbeit einer starken Frau von Menschen überall auf der Welt unterstützt wird und ihre Bedrohung nicht stillschweigend hingenommen wird. Und so haben Urgent Actions schon Leben gerettet.
Doch ai hilft nicht nur durch Eilaktionen. ai unterstützt Menschenrechtsverteidigerinnen auch logistisch und finanziell - ob es sich um den Aufbau eines elektronischen Netzwerkes für Menschenrechtsverteidiger/innen in Mittel- und Südamerika, die technische Ausstattung von Büros in Indien oder die Übernahme der ärztlichen Behandlungskosten für Menschenrechtlerinnen wie Jacqueline Moudeina, die im Tschad wegen ihres Engagements schwer gefoltert wurde und in Paris stationär behandelt werden musste, handelt. Die türkische Rechtsanwältin Eren Keskin erhielt aus politischen Gründen ein einjähriges Berufsverbot - in der Absicht, ihr so die Existenzgrundlage zu entziehen. Damit sie sich weiter für die Menschenrechte einsetzen kann, unterstützt ai Eren Keskin mit einer monatlichen Geldsumme.
Menschenrechtsverteidigerinnen spielen eine wichtige Rolle im internationalen Menschenrechtsschutz
Menschenrechtsverteidigerinnen setzen sich aktiv und gewaltfrei für die Einhaltung und Durchsetzung aller Menschenrechte ein. Sie sind Anwältinnen und Ärztinnen, Lehrerinnen und Pfarrerinnen, Gewerkschafterinnen und Sozialarbeiterinnen, Journalistinnen und Studentinnen, aber auch Wanderarbeiterinnen und Hausfrauen. Sie prangern Menschenrechtsverletzungen an, unterstützen und schützen Opfer von Menschenrechtsverletzungen, helfen Flüchtlingen, bekämpfen Straflosigkeit, führen Menschenrechtserziehungsprogramme durch und mobilisieren andere, sich für die Menschenrechte zu engagieren. Sie setzen sich für verfolgte und diskriminierte ethnische und religiöse Minderheiten ein. Sie gehören Arbeitslosen- oder Obdachlosenvereinigungen an oder vertreten die Rechte politisch Diskriminierter. Sie sind Mitglieder von Vereinigungen, die für die gleichen Rechte von Mann und Frau, die Rechte des Kindes, von Behinderten, Ausländer/innen und anderen gefährdeten Gruppen eintreten.
Die internationale Menschenrechtsbewegung verdankt den Menschenrechtsverteidigerinnen viel. Der Einsatz von ai für die Freilassung gewaltloser politischer Gefangener, für faire Gerichtsverfahren, gegen politische Morde, „Verschwindenlassen" und gegen die Folter wäre nicht so wirkungsvoll, wenn es das Engagement von Menschenrechtsverteidigerinnen vor Ort nicht gäbe. Sie sind mit wenigen Mitteln ausgestattet, nehmen aber mit viel Mut Risiken auf sich, damit Menschenrechtsverbrechen nicht unbemerkt und ungeahndet geschehen können. |  | 
Irene Fernandez

Zubeida Jaffer

Reyhan Yalcindag

Jacqueline Moudeina

Sehim Bensedrine

Judith Galarza

Eren Keskin

Swetlana Gannuschkina

Shirin Ebadi |
Mittel- und langfristig tragen sie zur Herstellung von Rechtssicherheit weltweit bei. ai fordert daher, dass die aktive Unterstützung von Menschenrechtsverteidigerinnen zu einem speziellen Regierungsprogramm gemacht wird.
amnesty international fordert Schutz für bedrohte Menschenrechtsverteidiger/innen
- amnesty international setzt sich bei der Bundesregierung für ein Aufnahmeprogramm für bedrohte Menschenrechtsverteidiger/innen – Frauen und Männer – ein, um ihnen auch in der Bundesrepublik Schutz zu bieten.
Ein solches Programm sollte für die betroffenen Menschen folgende Leistungen umfassen:
- Diplomatische und materielle Hilfe bei der Ausreise aus ihrem Land und bei der Einreise in Deutschland
- Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bis zu zwei Jahren
- In akuten Bedrohungssituationen, die eine sofortige Ausreise erfordern, muss eine schnelle Aufnahmeentscheidung getroffen werden
- Arbeitserlaubnis für selbständige und nichtselbständige Arbeit
- Unterhalt, Unterkunft, Pflichtversicherungen etc. für den/die verfolgten Menschenrechtsverteidiger/-in mit Familie oder Lebenspartner/-in (unter Verrechnung eigener Einkünfte)
- Sprachkurse, Dolmetscherdienste, psychotherapeutische Behandlung, andere Betreuungskosten
- Diplomatische und materielle Hilfe bei der Ausreise aus Deutschland bzw. bei einer freiwilligen Rückkehr ins Herkunftsland
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Porträts
"Die Arbeit von amnesty gibt uns neue Kraft": Interview mit Tamara Tschikunowa (ai-JOURNAL 2/2005)
Sultana Kamal kämpft gegen Gewalt gegen Frauen in Bangladesch (ai-JOURNAL 11/2004)
Die jordanische Journalistin Rana Husseini setzt sich für die Abschaffung der so genannten Ehrenmorde ein (ai-JOURNAL 10/2004)
Interview mit Sevdie Ahmeti über den Schutz von Frauen und Kinder im Kosovo (ai-JOURNAL 8/2004)
Eine Frau, die sich nicht brechen läßt: Die malaysische Menschenrechtlerin Irene Fernandez
Porträt der kurdischen Menschenrechtsverteidigerin Reyhan Yalcindag (ai-Journal 06/2004)
"Wer sind die Mörder?": Interview mit der mexikanischen Menschenrechtlerin Judith Galarza (ai-Journal 05/2004)
In der Höhle des Löwen: Portrait der südafrikanischen Journalistin Zubeida Jaffer (ai-Journal 4/2004)
Lebenslanger Kampf: Porträt der Journalistin Sihem Bensedrine (ai-Journal 3/2004)
Hoffnung trotz aller Widrigkeiten: Porträt der Menschenrechtlerin Jacqueline Moudeina (ai-Journal 2/2004)
Das Gewissen des Irans: Interview mit der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi (ai-Journal 1/2004)
ai-Kampagne "Gewalt gegen Frauen verhindern"
letzte Aktualisierung: 28. August 2004
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